Armut grenzt aus

Lippische Landeskirche und Diakonie starten Aktion „Augen auf“

Landesdiakoniepfarrerin Renate Niehaus (links) verteilte die „Augen auf“-Postkarten in der Detmolder Innenstadt. Rudolf Gallmann (rechts), Streetworker der „Herberge zur Heimat“, bot erfrischendes Mineralwasser an.

Detmold. Vertreter der Lippischen Landeskirche, des Diakonischen Werks und verschiedener diakonischer Einrichtungen, u.a. Herberge zur Heimat und Fürstin-Pauline-Stiftung, verteilten am Samstag (9. Juni) in der Detmolder Fußgängerzone Postkarten, um die Passanten auf das Thema „Armut in Lippe“ aufmerksam zu machen. Landesdiakoniepfarrerin Renate Niehaus: „Mit unserer Aktion ‚Augen auf’ lenken wir die Aufmerksamkeit darauf, dass Armut nicht weit weg ist, sondern dass von Armut und Ausgrenzung betroffene Menschen auch in Lippe in unserer Nachbarschaft leben.“

Armut ist oft versteckt und von außen nicht auf den ersten Blick erkennbar. Darauf spielen die in der Innenstadt verteilten Postkartenmotive der Aktion „Augen auf“ an. Die Karten zeigen Senioren und Jugendliche, die an einem von der Gesellschaft als Minimum akzeptierten Lebensstandard nicht teilhaben können. Ihnen fehlt das dazu nötige Geld. Eine Rentnerin kann sich den Seniorenausflug nicht leisten, ein Jugendlicher nicht den Konzertbesuch, Schüler können an Klassenfahrten nicht teilnehmen. Pfarrerin Niehaus: „Armut schließt die Betroffenen nicht nur von vielen Freizeitaktivitäten aus. Man muss aufmerksam hinschauen, um wahrzunehmen, dass Armut isoliert und gesellschaftliche Teilhabe verhindert. Die Postkarten sollen helfen, den Blick für versteckte Armut zu schärfen.“ Denn in Deutschland und in Lippe bedeute Armut in der Regel, ausgegrenzt zu sein.

Zu den Armutsrisikofaktoren zählen Erwerbslosigkeit, eine geringe Qualifikation, zu versorgende Kinder im Haushalt sowie die Zugehörigkeit zur Gruppe der Migrantinnen und Migranten.

Nach Angaben des Sozialberichtes 2007 der Landesregierung, auf den sich die Aktion „Augen auf“ stützt, gelten Personen als armutsgefährdet, deren Haushaltsnettoeinkommen unter 615 Euro monatlich liegt. Personen in Haushalten mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern im Alter von unter 14 Jahren gelten dann als einkommensarm, wenn das Haushaltsnettoeinkommen unter 1.661 Euro liegt. Im Jahr 2005 waren 14,3 Prozent der NRW-Bevölkerung armutsgefährdet.

Die Publikumsreaktionen auf die Informationen zum Thema Armut fielen unterschiedlich aus. Pfarrerin Niehaus: „Manche Passanten begrüßten die Beschäftigung mit dem Thema sehr. Andere meinten, dass es kaum Armut gebe, sondern vielmehr zu hohe Ansprüche an das Leben. Für Kirche und Diakonie ein Grund mehr, die Aktion ‚Augen auf’ in ganz Lippe fortzusetzen.“

 

11.06.2007

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