Heil und Heilung

Prof. Dr. Ulrich Eibach sprach auf Pfarrkonferenz der Lippischen Landeskirche

Trat auf der Pfarrkonferenz der Lippischen Landeskirche auf: Die Bridge Walkers Group aus Namibia, zurzeit auf Tournee in Deutschland.

Kreis Lippe/Lage-Stapelage. Das Thema Heil und Heilung stand im Mittelpunkt der amtlichen Pfarrkonferenz der Lippischen Landeskirche im Tagungshaus Stapelage. Den Vortrag des Vormittags, zu dem alle Pfarrer innen und Pfarrer der Lippischen Landeskirche eingeladen waren, hielt Prof. Dr. Ulrich Eibach, Beauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland für Fortbildung in Krankenhausseelsorge und Fragen der Ethik in Biologie und Medizin.

Den Auftakt des Vormittags machten die beiden Pfarrerinnen Gerlinde Kriete-Samklu und Heike Stijohann mit einer biblischen Einführung. Sie hinterfragten die theologische Praxis, wenn es um Heil und Heilung geht. Heike Stijohann:  „Wir legen die Heilungen immer rein symbolisch aus. Es geht uns um heil werden, nicht um Heilung.“ Heilung werde in den Bereich der Medizin verwiesen. „Doch ist diese Einseitigkeit theologisch legitim? Begrenzen wir Heilung auf spirituelles Heilsein oder trauen wir Gott zu, dass er auch leiblich heilend einspringen kann?“

Nirgends sei das Thema „Heilung durch die Kraft des heiligen Geistes“ so ausgeblendet wie in den deutschen Kirchen, erläuterte Prof. Dr. Ulrich Eibach (Bonn) in seinem Vortrag. In der neuzeitlichen Theologie und Kirche sei es zu einer Trennung von Heil und Heilung gekommen. Die „Verstofflichung“ der Natur und die „Entweltlichung“ Gottes sei zur stillschweigenden Voraussetzung moderner Naturforschung und Medizin geworden. Es sei Dogma neuzeitlichen Denkens, dass Gott in den Lauf dieser Welt überhaupt nicht direkt handelnd eingreifen könne. „Das heißt, dass der Mensch das einzige direkt und gezielt verändernd in der Natur handelnde Subjekt ist.“ Die liberale Theologie des 19. Und 20. Jahrhunderts habe diese Denkvoraussetzungen unkritisch übernommen. „Eine späte Folge dieser neuzeitlichen Trennung von Heil und Heilung ist in der Gegenwart die zunehmende Trennung von Glaube und Diakonie, Kirche und Diakonie, ja auch von Glaube und Seelsorge.“ Diakonie und selbst die Seelsorge orientierten sich in ihrem Handeln immer mehr ausschließlich an profanen Methoden, die mit keinem Handeln Gottes in dieser Welt mehr rechneten und daher auch die Botschaft Gottes für die Menschen verschwiegen. Doch sollte ein verantwortlicher Umgang mit dem Thema immer beide Aspekte des Glaubens im Blick behalten und Heilung in der Kraft des Geistes Gottes und medizinisches Handeln nicht zum Gegensatz werden lassen: „Wenn Gottes Geist die sichtbare materielle Welt als geistige Wirklichkeit durchdringt, so kann es ihm nicht weniger möglich sein, die von Gott geschaffenen Naturgesetze und die von ihnen gelenkte materielle Welt verändernd zu bestimmen, wie der menschliche Geist dies kann.“ Das Gebet allerdings dürfe nicht als kausale Beeinflussung Gottes durch den Menschen missverstanden werden. Das Ausbleiben einer konkreten heilenden Wirkung besage nicht, dass das Gebet nicht geholfen habe und daher sinnlos sei. Seine Erfüllung könne darin bestehen, dass der Mensch sich in seiner Not überhaupt an Gott wende und im Glauben gestärkt werde. Der Glaube könne sich sowohl als Widerstand gegen die Krankheit und heilende Kraft als auch als Kraft erweisen, mit einer unheilbaren Krankheit zu leben, ohne am Leben und Gott zu verzweifeln.

29.05.2007

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