Die neuen Möglichkeiten

7. Detmolder Frauensalon: Chancen und Risiken der Chaträume

Anerkennung: Für den verständlichen Vortrag eines vielschichtigen Themas bedankten sich bei Medienpädagogin Sabine Schattenfroh (2. von rechts) Monika Korbach, landeskirchliche Referentin für Frauenarbeit, Regina Pramann, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Lippe, und Dorothee Brand, Beraterin bei Pro Familia Lippe (von links).

Kreis Lippe/Detmold. Neue Kommunikationsformen im Internet und die Möglichkeiten ihrer Nutzung durch Mädchen und Frauen waren das Thema des Detmolder Frauensalons am Dienstag, 8. Mai, im Café Schokolade. Die Lemgoer Medienpädagogin Sabine Schattenfroh berichtete von ihren Streifzügen durch zahllose Chaträume und gab ihren Zuhörerinnen Tipps, welche Chancen die virtuellen Schwatzecken bieten und wo Risiken lauern.

Eingeladen zum Frauensalon hatte die Evangelische Frauenarbeit der Lippischen Landeskirche in Zusammenarbeit mit Pro Familia Lippe und der Gleichstellungsstelle des Kreises Lippe.

Sabine Schattenfroh bewertete die sogenannten Fach-Foren als sehr hilfreich, um Antworten auf Sachfragen zu erhalten. „Wie schleife ich Parkett ab? Worauf muss ich beim Pflastern einer Terrasse achten? Für nahezu jedes Alltagsproblem gibt es im Internet ein Fach-Forum“, berichtete die Medienpädagogin. Einfach die Frage in das Suchfenster einer der bekannten Internet-Suchmaschinen eintippen und schon würden Google, Yahoo & Co. den Weg zum Forum weisen. Der Chat in einem solchen Forum sei im Grunde eine zeitverzögerte Frage-Antwort-Kommunikation: Nach dem Eintippen der Frage schaue man einige Stunden oder Tage später nach, ob ein Experte oder eine Expertin geantwortet habe.

Chaträume im engeren Sinne zeichneten sich dadurch aus, erklärte Frau Schattenfroh, dass hier gleichzeitig mehrere Besucherinnen und Besucher miteinander kommunizierten. In diesen Räumen gehe es oft nicht darum, ein Thema zu erörtern, sondern der Chat als solcher bzw. die Unterhaltung mit unbekannten Gesprächspartnern sei die zentrale Funktion dieser Portale. Sehr ausgeprägt sei dies bei Kontakt- und Flirtchats. Wer von sich glaube, im wirklichen Leben zu schüchtern zu sein, um Kontakt zum anderen Geschlecht aufzunehmen, der begrüße vielfach diese Form der Begegnungsanbahnung, weil die Anonymität Schutz gewähre. Die Kontakt-Chaträume eröffneten denjenigen viele Möglichkeiten, denen es an Zeit oder Geld mangele, um auf Partys, Festen oder in Diskotheken neue Menschen auf „klassische“ Art und Weise kennenzulernen. Nicht zuletzt sei es eine Stärke dieser virtuellen Begegnungsplätze, dass die allermeisten der hier versammelten Chatter tatsächlich miteinander kommunizieren wollten. Die Zielgerichtetheit, sich mit fremden Menschen unterhalten zu wollen, sei in dieser Form in der Kneipe um die Ecke nicht zu erwarten.

Sabine Schattenfroh riet, bei der Preisgabe persönlicher Daten wie Wohnort, Nachname oder Telefonnummer sehr vorsichtig zu sein. Dies gelte insbesondere für Kinder und Jugendliche. Eltern sollten ihre Kinder darauf hinweisen, dass sich hinter dem im Chat üblichen Nickname (Pseudonym) eines angeblichen Alterskameraden auch ein pädophiler Erwachsener verbergen könne. Kinder sollten deshalb keine Fotos von sich an Chatpartner weitergeben, da niemand wisse, was mit diesen Fotos geschehe. Ratsam sei es, Kinder anfangs nicht allein chatten zu lassen. Auch sollten Kinder ihre Eltern darüber informieren, wo sie chatten und wann.

Gefahr sei im Verzug, warnte die Referentin, wenn schulpflichtige Heranwachsende aufgrund eines überbordenden Chattens in ihren schulischen Leistungen drastisch absackten. Dann seien die Eltern aufgefordert, sich mit ihrem Nachwuchs hinsichtlich der Dauer der Internetnutzung auf Zeitvereinbarungen zu einigen. Würden diese Regeln nicht eingehalten, empfehle sie dringend, den Internetzugang zumindest befristet zu sperren.

Jedoch sei es in der Regel illusionär, wenn Eltern meinten, ihren Kindern dauerhaft das Chatten verbieten zu können. Diese Kommunikation habe sich bei den heute Heranwachsenden durchgesetzt. Eltern sollten diese Gesellschaftsveränderung akzeptieren und verstehen, auch wenn sie selbst ohne Chat und Internet aufgewachsen seien.

Informationen und Beratung zum Thema Spielsucht: www.isfb.org/Beratung.html.

16.05.2007

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