„Die Kirche bleibt im Dorf“

Evangelischer Bauerntag beschäftigte sich mit Kirche im ländlichen Raum

Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann (links) plädierte auf dem Evangelischen Bauerntag nachdrücklich für den Erhalt des Ortskirchenprinzips im ländlichen Raum; rechts Pfarrer Friedrich Wehmeier aus Donop, Beauftragter der Lippischen Landeskirche für den „Dienst auf dem Lande“.

Kreis Lippe/Lemgo. „Ich kann mir für Lippe nicht vorstellen, dass sich die Kirche aus den Dörfern zurückzieht. Die Kirche bleibt im Dorf.“ Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann sprach sich auf dem Evangelischen Bauerntag der Lippischen Landeskirche am Sonntag, 6. Mai, im Lemgoer Gemeindezentrum St. Johann deutlich für den Erhalt des Ortskirchenprinzips im ländlichen Raum aus. Allerdings werde man nicht umhin kommen, die Angebote der dörflichen Kirchengemeinden dem bevorstehenden Demographiewandel anzupassen.

Dr. Dutzmann bezog sich in seinem Vortrag auf das im Juli 2006 veröffentlichte Impulspapier „Kirche der Freiheit“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das Impuls- bzw. Perspektivpapier prognostiziert, dass sich die Zahl der Protestanten in Deutschland bis zum Jahr 2030 um ein Drittel von derzeit 26 Millionen auf 17 Millionen verringern werde. Daraus folge eine Halbierung der Einnahmen aus Kirchensteuern von gegenwärtig vier auf zwei Milliarden Euro. Vor dem Hintergrund dieser beiden Prognosen empfiehlt der Rat der EKD, das Umbauen, Umgestalten und Neuausrichten der kirchlichen Arbeit aktiv zu gestalten.

Die von den Autoren des Impulspapiers vorgeschlagene Stärkung von „Profilgemeinden“ (Kirchengemeinden mit besonderer Schwerpunktsetzung) bewertete Landessuperintendent Dr. Dutzmann als wenig hilfreichen Ratschlag  für den ländlichen Raum: „Für eine Großstadt mag es noch nachvollziehbar sein, sogenannte Profilgemeinden aufzubauen. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Kirche deshalb aus der Fläche zurückzieht.“ Im ländlich strukturierten Lippe werde die ortsgebundene Kirchengemeinde weiterhin die wichtigste Gemeindeform bleiben. Der Gottesdienst als Kernangebot werde auch zukünftig wohnortnah gefeiert werden. Lebensältere Menschen mit eingeschränkter Mobilität könnten sich auf eine ihrer Lebenssituation angepasste seelsorgerliche Betreuung verlassen.

Allerdings werde zukünftig nicht mehr jede Kirchengemeinde alle bisherigen Angebote vorhalten können. Ursache dafür seien der demographische Wandel und die damit einhergehende Verringerung der Gemeindegliederzahl. Kirchengemeinden sollten Möglichkeiten der Zusammenarbeit suchen mit benachbarten Gemeinden, mit anderen kirchlichen Einrichtungen wie zum Beispiel dem Diakonischen Werk, mit Kommunen oder mit Vereinen.

Die Lippische Landeskirche, so ihr leitender Theologe, werde am Beruf der Pfarrerinnen und Pfarrer als Schlüsselberuf mit besonderen Ausbildungsanforderungen, vermittelt während eines Theologiestudiums, festhalten. Wenn man jedoch die Flächenpräsenz der Kirche angesichts der bereits beschlossenen Pfarrstellenreduzierung erhalten wolle, müsse man mehr ehrenamtlich tätige Gemeindeglieder gewinnen, auch und gerade für die Verkündigung. Dr. Dutzmann: „Anders können wir nicht mehr jeden Sonntag in gewohnter Weise Gottesdienst feiern.“ Die Pfarrer und Pfarrerinnen ihrerseits seien aufgefordert, sich aus reinen Verwaltungsaufgaben zurückzuziehen und nicht zwingend mit dem Pfarramt verbundene Tätigkeiten kompetenten Ehrenamtlichen zu überlassen. Die Lippische Landeskirche werde durch Beratung und Fortbildung der Ehrenamtlichen ihren Beitrag leisten, um Gemeindeleben auch dort zu ermöglichen, wo Pfarrpersonal knapp werde.

14.05.2007

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