„Auferstehung mitten im Leben“

Frühjahrstreffen der Frauenkreise: „Der Mensch und das Glück“

Glücklich: Monika Korbach (links), landeskirchliche Referentin für Frauenarbeit, dankte der Theologin und Journalistin Britta Baas für ihren Vortrag.

Kreis Lippe/Lage-Stapelage. „Glück ist wie eine Auferstehung mitten im Leben.“ Für die Theologin und Journalistin Britta Baas ist Glück eine Gnade, die den Menschen unverhofft und unverdient zuteil wird. Britta Baas, Redakteurin bei der Zeitschrift Publik-Forum, legte ihre Gedanken, wie Gott und Glück zusammenpassen, auf dem Frühjahrstreffen der Frauenkreise im Tagungshaus Stapelage dar. Zum Treffen (am Mittwoch, 2. Mai) hatte die Frauenarbeit der Lippischen Landeskirche eingeladen.

Mehr als einhundert Teilnehmerinnen waren der Einladung gefolgt, sich mit dem Thema „Der Mensch und das Glück – was uns lebendig macht“ auseinander zu setzen. Monika Korbach, landeskirchliche Referentin für Frauenarbeit, hatte für das Treffen mit Britta Baas eine kompetente Expertin gewinnen können. Die im hessischen Usingen lebende Redakteurin ist Mitherausgeberin des Buches „Spuren des Glücks“, in dem zehn Prominente, vom Fußballschiedsrichter Markus Merk bis zur Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, Gesine Schwan, in biografischen Interviews persönliche Glückserlebnisse erzählen.

Unter Bezugnahme auf ihr Buch erläuterte Britta Baas, dass Glück nicht erzwungen werden könne. In dieser Hinsicht habe der Volksmund Recht. Die willentliche und meistens vergebliche Suche nach dem Glück dürfe nicht verwechselt werden mit einem lebensbejahenden Optimismus. Diese zuversichtliche Grundgestimmtheit brauche jeder, um für Glücksmomente empfänglich zu sein. Wer als „pessimistischer Schwarzseher“ nur Probleme und keine Lösungen sehe und als „notorischer Nörgler“ an vielen Dingen des Lebens etwas auszusetzen habe, der werde in der Regel keine Glücksmomente erfahren. Andauernde Unzufriedenheit sei jedoch kein unabänderliches Schicksal. Wer erkenne, dass sich die immer wieder befürchteten Katastrophen nicht einstellten, könne seine Verhaltensmuster ändern, um sich für Glückserfahrungen zu öffnen.

Viele ihrer Interviewpartner hätten als Glück erlebt, „wahrhaftigen beziehungsweise authentischen Menschen“ begegnet zu sein. Die in der Begegnung mit diesen Menschen erfahrene Wahrhaftigkeit und das daraus entstehende Glücksgefühl legten den Schluss nahe, so Britta Baas, solche Menschen als „Glücksgeber“ zu bezeichnen. In den Augen vieler stellten Papst Benedikt XVI. und der Dalai Lama offensichtlich solche Glücksgeber dar. Beide würden zahllose Menschen, und zwar gerade Jugendliche, allein durch ihre Persönlichkeit überzeugen, obwohl sie, und hier insbesondere der Papst, für Werte und Traditionen einträten, die jungen Menschen mehrheitlich fremd seien.

Wer gesellschaftliche Trends aufmerksam beobachte, komme nicht selten zu der Überzeugung, dass sich große Teile der Gesellschaft auf die Suche nach dem Glück aufgemacht hätten, sagte die Referentin. Die Ursache liege möglicherweise im „Bedeutungsverlust des Jenseitigen“. In früheren Jahrhunderten habe die Kirche als Institution die das Glück suchenden Menschen auf das Jenseits vertröstet. Damit gäben sich die heutigen Menschen nicht mehr zufrieden. Sie wollten Glück bereits während ihres Lebens auf Erden erfahren, zum Beispiel im Erleben „wahrhaftiger Menschen“. Man strebe nicht nach einer Belohnung nach dem Tod, sondern erhoffe sich das Glück beziehungsweise den „Funken Gottes“ bereits im Diesseits und in der Gemeinschaft mit anderen.

Glück offenbare sich nicht unmittelbar, sagte die Referentin. Es sei gebunden an die Begegnung mit Menschen, an die Familie oder an die Arbeit, um nur einige Beispiele zu nennen. Britta Baas: „Glück ist im Alltäglichen. Wer glaubt, es dort nicht finden zu können, der wird es gar nicht finden.“

14.05.2007

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