Junge Menschen fördern

Das Projekt „Gastfamilien“ des Kreises Lippe und des Diakonischen Werks der Lippischen Landeskirche

Von links: Brunhilde Schmelzer, Birgit Piltman, Hildegard Olsen (alle Diakonisches Werk) sowie Karin Smith (3. v. links) und Klaus Lükermann (5. v. links) (beide Kreis Lippe) freuen sich über die Gastfamilien.

Kreis Lippe. „Unsere Kinder sind groß und aus dem Haus. Jetzt wollen wir uns gerne um Jugendliche ohne Perspektive kümmern.“ Familie Fischer nimmt teil am Projekt Gastfamilie des Kreises Lippe und des Diakonischen Werks. So wie auch Helmut Funk: „Meine Frau und ich wollen nicht immer nur über Missstände schimpfen, sondern einen Beitrag für die Gesellschaft leisten und vernachlässigten Jugendlichen ein Sprungbrett ins Leben bieten.“ Denn für manche Kinder und Jugendliche scheint alles zu Ende, wenn es eigentlich gerade erst losgehen soll: Zu Hause läuft nichts mehr wie es soll, Eltern sehen sich vorübergehend oder langfristig nicht mehr in der Lage, ihre Kinder zu begleiten, zu fördern und zu erziehen.

Die Gründe sind unterschiedlich. Krankheit kann eine Rolle spielen, Langzeitarbeitslosigkeit, Alkoholprobleme. Die Alternativen, die das Jugendamt des Kreises Lippe bisher bieten konnte: Kinderwohngruppe, Jugendwohngruppe, Pflegefamilie. Jetzt gibt es eine weitere Möglichkeit: die „Gastfamilie“. Doch der Begriff Familie trifft es nicht ganz. Klaus Lükermann, Leiter des Fachgebiets Soziale Dienste im Kreishaus: „Es ist nicht unbedingt die Familie im klassischen Sinn. Wichtig sind für diese Jugendlichen verantwortungsvolle Erwachsene.“ Und das können auch Paare ohne Trauschein, kinderlose Paare oder Alleinerziehende sein.

Die Gastfamilie wertet Lükermann als echte Alternative: „Es gibt junge Menschen, für die weder die Pflegefamilie noch die Heimbetreuung  in Kinder- und Jugendwohngruppen der beste Weg ist. Die Gastfamilie ist für ältere Kinder und Jugendliche gedacht, die Familienanschluss brauchen und dort verlässliche Begleitung erfahren.“

Sechs Familien konnten für dieses Modell gewonnen werden. Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen bringen alle mit: aus dem Beruf, dem Umgang mit den eigenen Kindern, oder auch schon mit Pflegekindern. Klaus Lükermann: „Wichtig sind uns Menschen mit Lebenserfahrung, die auch in schwierigen Situationen abwägen können.“

Die Begleitung und Qualifizierung der Familien hat das Diakonische Werk mit seinen Angeboten der Sozialpädagogischen Familienhilfe, der Evangelischen Familienbildung und des Evangelischen Beratungszentrums übernommen. Hildegard Olsen (Sozialpädagogische Familienhilfe) und Birgit Piltman (Evangelische Familienbildung) treffen sich regelmäßig mit den möglichen Gastfamilien. Hildegard Olsen: „Für alle Fragen und Probleme, die im Zusammenleben mit den Kindern und Jugendlichen auftreten können, sind wir Ansprechpartner.“ Neben dem Diakonischen Werk mit seinen Angeboten ist als Projektbeteiligte auch die Fürstin-Pauline Stiftung zu nennen. Klaus Lükermann: „Wir sind froh, mit unseren Partnern solch ein soziales Netzwerk an Beratung und Betreuung zu haben.“

Das Betreuungsnetz steht, die Gastfamilien sind vorbereitet. Wann allerdings das erste Kind oder der erste Jugendliche in eine der Familien vermittelt wird, das kann niemand vorhersagen. Lükermann: „Das kann in zwei Monaten soweit sein, aber auch erst in acht Monaten. Wir werden ab sofort bei jedem älteren Kind, das nicht mehr in seiner Herkunftsfamilie leben kann, auch die Alternative Gastfamilie prüfen.“

17.04.2007

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