„Erinnern ist ganz, ganz schwer…“

Vortrag: Sexueller Missbrauch an Jungen und Mädchen

Mechthild Wedekind (links) sprach in der Ausstellung „Der Gewalt etwas entgegen setzen“ über das Thema „Sexueller Missbrauch an Jungen und Mädchen“.

Detmold. „Sexueller Missbrauch an Jungen und Mädchen“, darüber sprach am Mittwoch, 29. November, Mechthild Wedekind von der Frauenberatungsstelle Alraune im Gemeindehaus der Erlöserkirche am Markt. Der Vortrag war Teil der Ausstellung „Der Gewalt etwas entgegen setzen“, die in den vergangenen zwei Wochen im Gemeindehaus zu sehen war. Frauen der Selbsthilfegruppe „Allerleirauh“, die als Kinder oder Jugendliche sexuelle Gewalt erfahren haben, zeigten ihre Bilder, in denen sie ihre Ängste und Schmerzen, aber auch ihre Hoffnungen verarbeitet haben.

„Sexuelle Gewalt hat immer mit Ausübung von Macht zu tun“, stellte Mechthild Wedekind, Diplom-Sozialpädagogin, Gestalttherapeutin und Mitarbeiterin der Frauenberatungsstelle Alraune, gleich zu Anfang ihres Vortrags fest. Sexueller Missbrauch als Missbrauch von Macht werde zu etwa 80 Prozent von Männern und männlichen Jugendlichen ausgeübt, mit Tendenz zu immer jüngeren Tätern. Die kämen zu etwa 75 Prozent aus Familie, Bekanntenkreis, oder näherem familiären Umfeld des Opfers. „Die Täter kommen aus allen sozialen Schichten und Berufen“, betonte Wedekind. Es gebe keine einheitliche „Charakterstörung“, und der sexuelle Missbrauch sei selten eine einmalige Tat.

Nach Expertenschätzungen seien etwa 20 bis 25 Prozent der Mädchen und 10 Prozent der Jungen bis zur Volljährigkeit wenigstens einmal von sexualisierter Gewalt betroffen. 

Neben diesen strafrechtlich relevanten Missbrauchshandlungen gebe es aber Übergänge. Eine „Grauzone“ die von Antatschen und Befingern bis hin zu verletzenden Redensarten und Blicken reiche. „Das sind Grenzbereiche, wo wir aufgefordert sind, genauer hinzusehen“, sagte die Referentin.

Hinsehen, um sexuellen Missbrauch zu verhindern, der zu brutalen körperlichen und psychosomatischen Folgen führen könne. „Die Opfer fühlen sich hilflos, haben Zweifel, empfinden Schuld und Scham, richten ihre Aggressionen gegen sich selbst“, sagte Mechthild Wedekind. Folgen, die sie gemeinsam mit den inzwischen erwachsenen Opfern beispielsweise in Malgruppen zu bewältigen versucht. „Es ist ein langer Weg, bis solche Bilder entstehen können. Erinnern ist ganz, ganz schwer. Aber das Ausdrucksmalen ist eine Möglichkeit mit den schrecklichen Bildern im Kopf umzugehen. Die Malerin bestimmt was sie tut, sie ist nicht ohnmächtig ausgeliefert.“

Dass es helfe, könne man an Bilderserien erkennen, die über einen längeren Zeitraum entstanden seien, meinte Wedekind. Davon konnten sich die Zuhörer anschließend in der Ausstellung überzeugen.  

01.12.2006

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