„Unter Gottes Himmelszelt vereint“

Paraguay ist das Land des Weltgebetstages 2007

Elisabeth Wiebe und Anneliese Reese (2.u.3. von links) hatten Kunsthandwerk aus Paraguay mit zum Informationsabend gebracht.

Kreis Lippe/Detmold. Paraguay ist das Land des Weltgebetstages 2007. Am ersten Freitag im März 2007 werden Menschen in aller Welt Gottesdienste feiern – und zwar nach der Gottesdienstordnung, die Christinnen in Paraguay unter dem Titel „Unter Gottes Himmelszelt vereint“ erarbeitet haben.

Die Evangelische Frauenarbeit der Lippischen Landeskirche hatte am Montag, 20. November, ins Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Detmold eingeladen. Frauen aus ganz Lippe wollten hier etwas über das Land des nächsten ökumenischen Weltgebetstages erfahren.  Referentinnen waren Anneliese Reese aus der ev.-ref. Kirchengemeinde St. Johann, Lemgo, und Elisabeth Wiebe, die in einer Mennoniten-Gemeinde in Paraguay geboren wurde und dort 25 Jahre gelebt hat. Die beiden Frauen entwarfen vor ihren Zuhörerinnen das Bild eines Landes, das von großen Gegensätzen geprägt ist. Paraguay liegt in Südamerika, benachbart sind Brasilien, Argentinien und Bolivien. Der Westen besteht aus Savanne und Trockenwald, der Osten ist wasserreich: „Hier gibt es Palmen, viele verschiedene Vögel, herrliche Wasserfälle und fruchtbares Land, es ist eine schöne Landschaft“, erzählt Elisabeth Wiebe. Musik, Kunst und Kunsthandwerk spielen eine große Rolle.

Im 16. Jahrhundert kamen spanische Eroberer auf der Suche nach Bodenschätzen ins Land, die indigenen Guaraní-Völker waren in den kriegerischen Auseinandersetzungen unterlegen. Heute haben mehr als 90 % der Bewohner des Landes indigene und europäische Vorfahren. Die Mehrheit der Menschen spricht Guaraní und hat ihre Wurzeln in der bäuerlichen Kultur, knapp 10 Prozent gehören der Spanisch sprechenden städtischen Mittel- und Oberschicht mit Führungspositionen in Politik und Wirtschaft an. 90 % der Bevölkerung ist katholisch. Eine besondere Rolle kommt in Paraguay den Mennoniten zu, die in den 20er Jahren aus Russland und Kanada nach Paraguay flüchteten. Sie gründeten Kolonien im unwirtlichen Westen, im Gran Chaco, und machten das Land mit Hilfe der dort lebenden indigenen Bevölkerung urbar. Diese Ureinwohner Paraguays, die Guaraní, machen nur 1% der Bevölkerung aus und erleben sich ganz unten in der Hierarchie des Landes. Mennoniten riefen im Laufe der Jahre viele soziale Projekte für die Indianer ins Leben, haben Krankenhäuser und Schulen gebaut. Und sie engagieren sich für Straßenkinder in der Hauptstadt Asunción. Elisabeth Wiebe stammt aus einer der Mennoniten-Kolonien. Auch heute pflegt sie noch viele Kontakte nach Paraguay. „In unserer Gemeinde in Lemgo hat fast jedes Mitglied ein Patenkind in Asunción“.

Paraguay ist heute eine Republik mit Präsidialdemokratie. Diktatoren beherrschten über Jahrhunderte das Land, die politischen Traditionen im Land sind überwiegend autoritär. Anneliese Reese: „Es gibt viel Kriminalität und Korruption. Die Armut ist sehr groß.“ Fast 40% der Bevölkerung muss mit weniger als zwei Euro am Tag auskommen. Es herrscht Arbeitslosigkeit, die Gesundheits- und Sozialversorgung ist mangelhaft. Davon sind besonders Kinder, Frauen und Mädchen betroffen. Hinzu kommen Diskriminierung, sexuelle Gewalt und Frauenhandel. Je nach Herkunft, finanziellem Status und Wohnort ist das Leben der Frauen sehr unterschiedlich. Viele beteiligen sich an der demokratischen Umgestaltung des Landes: sie gründen Beratungsstellen für Frauen, engagieren sich in Kirchen und Nicht-Regierungsorganisationen und wollen den Zugang zu Bildung und Ausbildung für Mädchen und Frauen, vor allem aus der indigenen Bevölkerung, verbessern.

22.11.2006

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