60 Jahre Kindergottesdienst

Ortrud Krause: im Gottesdienst in Barntrup von vielen Menschen verabschiedet

Zum Abschied: ein Buch voller Erinnerungen für Ortrud Krause

Kreis Lippe. Das ist ein seltenes Jubiläum: 60 Jahre hat Ortrud Krause in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Barntrup im Kindergottesdienst mitgearbeitet. Nun hat sich die 76-jährige im Gottesdienst verabschiedet – begleitet von vielen guten Wünschen und Geschenken.





„Es war ein wunderbarer Gottesdienst, mit Menschen die ich lange kenne“, freut sich Ortrud Krause. Sie geht mit einem guten Gefühl: „Ich bin sehr froh über unser modernes Mitarbeitenden-Team“. Sie lacht: „Heute verständigen sich Eltern, Kinder und die Mitarbeitenden über eine WhatsApp-Gruppe. Das kann ich nicht mehr, das ist der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören.“

In Barntrup gibt es jeden Sonntag einen Kindergottesdienst. Sind es heute fünf bis zehn Kinder, die kommen, um biblische Geschichten zu hören, erinnert sich Ortrud Krause noch gut an Zeiten, als es 50 Kinder und mehr waren. Die Kinder sind aus unterschiedlichen Gründen weniger geworden - doch die Methoden sind ähnlich geblieben. „Es gibt eine feste Liturgie und die biblischen Geschichten werden mit verschiedenen Medien erarbeitet, mit Bodenbildern zum Beispiel, einem Figurentheater oder mit Rollenspielen.“

In früheren Zeiten habe sie selbst etwas gebastelt, um den Kindern die Geschichten nahezubringen. Sie lächelt in der Erinnerung: „Heute gibt es Internet und Power-Point, früher war man froh, wenn man einen Kopierer hatte“.

Die Arbeit im Kindergottesdienst ist nun vorbei, doch der Kirchengemeinde bleibt Ortrud Krause tief verbunden – so wie es immer schon war. Seit der Zeit, als sie nach dem Krieg als kleines Mädchen, gehbehindert durch Kinderlähmung, als Flüchtling mit ihrer Mutter und dem jüngeren Bruder nach Barntrup kam: „Die Kirchengemeinde hat mich aufgenommen und akzeptiert. Das hat mir sehr geholfen und Selbstbewusstsein gegeben.“ Der damalige Pfarrer Otto Voget habe mit dafür gesorgt, dass sie das Gymnasium besucht hat. Nach der Mittleren Reife wäre sie am liebsten Krankenschwester geworden, „aber wegen der Behinderung ging das nicht“. Doch Ortrud Krause ist keine Frau, die den Kopf hängen lässt. Nach einer Verwaltungslehre hat sie 42 Jahre bei der Kreisverwaltung gearbeitet. Ihre Leidenschaft für den sozialen Bereich lebte sie im Ehrenamt: Kindergottesdienst, Wochenendfreizeiten, Jungschararbeit und die offene Jugendarbeit gehörten dazu – außerdem die Mitarbeit im Kirchenvorstand, in dem sie 1968 als eine der ersten gewählten Frauen Mitglied wurde. Auch in der Jugendkammer der Lippischen Landeskirche war sie Mitglied, im Leitungskreis der ev. Frauenhilfen und im Vorstand des Kindergottesdienstverbandes. Heute zieht sich Ortrud Krause noch lange nicht zurück, sie macht weiterhin Tafelarbeit und engagiert sich im ambulanten Hospizdienst. Jeden Sonntag fährt sie nach Detmold, erzählt sie mit strahlenden Augen: „Dort lebt mein Pflegesohn mit seiner Familie. So habe ich jetzt auch schon zwei Urenkel.“

24.10.2017

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