Die Hits der Reformation

Populär arrangierte Psalmenmelodien in der Gottesdienstreihe „Profile“

Pfarrer Matthias Zizelmann, Landesposaunenwart Christian Kornmaul, Kirchenrat Tobias Treseler und Pfarrer Friedemann Schmidt-Eggert (vorn, von links) gestalteten zusammen mit den Bläsern und der Band (im Hintergrund) den Gottesdienst in Horn.

Kreis Lippe/Horn. „Die 150 Psalmen des Alten Testaments sprechen die großen und kleinen Menschheitsthemen an.
Sie führen aus Wut und Ohnmacht heraus und helfen, die Dinge anders zu sehen.“
Für Pfarrer Friedemann Schmidt-Eggert, Landesobmann der Bläserarbeit im Rheinland, ist die aus den Psalmen sprechende Lebenserfahrung so bedeutsam, dass ihnen der Genfer Reformator Johannes Calvin verständlicherweise eine ganz wichtige Rolle als Liedersammlung der reformierten Gemeinden zuerkannt habe.

Schmidt-Eggert sprach im Rahmen der Gottesdienstreihe „Profile“, die am Sonntag, 17. September, in der ev.-ref. Kirche Horn Station machte. Im Mittelpunkt sowohl seiner Predigt als auch der Lieder standen die „Psalmen - Hits der Reformation“. In vielen Psalmen gehe es um Selbstkritik, so Schmidt-Eggert, die zur Selbsterkenntnis und weiter zur Gotterkenntnis führe, verbunden mit Lob und Dank.

Diese Darlegungen wurden musikalisch verdeutlicht vom Posaunenchor Horn und einem Projektposaunenchor, beide verstärkt von einer Pop-Band und geleitet von Christian Kornmaul, Landesposaunenwart der Lippischen Landeskirche. Kornmaul ließ die knapp 30 Musiker Psalmenmelodien aus der Zeit der Reformation spielen, wie sie auch Eingang gefunden haben ins aktuelle Evangelische Gesangbuch. Den gleichen Melodien wurden populäre Arrangements für Bläser und Band mit Gitarre und Schlagzeug gegenübergestellt. Diese Arrangements entstammten der Feder des Kirchenmusikers Michael Schütz, der die Psalmenmelodien im Jahr 2014 neu bearbeitete und dabei popmusikalische Elemente einfließen ließ.

Christian Kornmaul ging auf die Entstehungsgeschichte des Genfer Psalters ein. Um 1539 habe Johannes Calvin mit einer ersten Ausgabe von bereimten Psalmen für den Gesang im Gottesdienst den Grundstock gelegt für die Liedsammlung des Genfer Psalters. Mehrere Dichter und Musiker brachten die Psalmen in Reim und Strophe und komponierten die Melodien. 1562 war das Gesamtwerk vollendet. Alle hätten sich an bestimmte musikalische Regeln der Melodieführung gehalten, weshalb diese Tonfolgen und Chorsätze charakteristisch für den Psalter seien. Die ursprünglichen Melodien und Taktfolgen der Lieder seien dem Gesangsvermögen der damaligen Gottesdienstbesucher angemessen gewesen. So hätten zu Beginn der Reformation die Gemeinden die für sie neuen Lieder gut mitsingen können, wenngleich man heute so nicht mehr komponieren würde. Den moderneren Zugang zu den Liedern erkenne man an den Melodien von Michael Schütz.

Kirchenrat Tobias Treseler dankte Pfarrer Schmidt-Eggert für die lebendigen und sachkundigen Predigtworte und allen Musikern für ihre engagierten und mitreißenden Beiträge. Der Gottesdienst habe bewiesen, dass man über das lippische Reformationsthema „gemeinsam frei“ nicht nur nachdenken und diskutieren könne. Man könne sich ihm auch musikalisch annähern.

In der Reihe „Profile“ kommen aus Anlass des Jubiläums „500 Jahre Reformation“ in insgesamt zwölf Gottesdiensten über das Jahr verteilt in Lippe profilierte Kirchenmusik und profilierte Gastprediger zu Wort. Weitere Termine: www.lippe2017.de

 

 

18.09.2017

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