Gerechtigkeit auch in Lippe bedenken

Landessuperintendent Dietmar Arends über Ergebnisse der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen

Im Gottesdienst: Landessuperintendent Dietmar Arends (Mitte) bei der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. Foto: WCRC/Anna Siggelkow

Kreis Lippe. Die Lippische Landeskirche war vom 29. Juni bis zum 7. Juli in Leipzig, Berlin und Wittenberg eine der Gastgeberinnen der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen. Rund 1.000 Delegierte haben teilgenommen. Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen mit Sitz in Hannover vertritt rund 230 evangelisch-reformierte Kirchen, mit etwa 80 Millionen Mitgliedern, darunter auch die überwiegend reformierte Lippische Landeskirche. Landessuperintendent Dietmar Arends hat die gesamte Versammlung mit begleitet.

Herr Arends, wie sind Ihre Eindrücke von dieser Generalversammlung?

Wenn ich zurückschaue, kommen mir als erstes die Gottesdienste in den Sinn. Mit so vielen Menschen aus allen Ecken dieser Erde in unterschiedlichen Sprachen Gottesdienst zu feiern und sich so in aller Unterschiedlichkeit verbunden zu erleben, das war eine sehr besonderes Erlebnis. Insgesamt wird man sagen können, dass die deutschen Kirchen gute Gastgeber dieser Generalversammlung waren. Was die Generalversammlung sicher auch in besonderer Weise ausgezeichnet hat, ist der Versuch, alle Entscheidungen im Konsensverfahren zu treffen. Das war manchmal auch mühsam, hat aber dazu geführt, dass viele sich einbringen konnten und bei den Entscheidungen mitgenommen wurden.

 

Welche Impulse und Ergebnisse hat dieses Treffen ergeben?

Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen hat sich erneut sehr pointiert zu den Fragen weltweiter Gerechtigkeit geäußert. Im Mittelpunkt standen dabei Themen wie ökologische und wirtschaftliche Gerechtigkeit. Ausführlich hat die Generalversammlung auch das Thema Geschlechtergerechtigkeit behandelt. Dabei spielte die Frage der Frauenordination eine besondere Rolle, die immer noch von einigen Mitgliedskirchen nicht praktiziert wird. Mit der Wahl von Najla Kassab aus dem Libanon zur neuen Präsidentin hat die Weltgemeinschaft ein deutliches Zeichen gesetzt. Najla Kassab hatte sich gerade erst erfolgreich für die Ordination von Frauen in ihrer eigenen Kirche eingesetzt und war daraufhin selbst zur Pfarrerin ordiniert worden. Ein weiteres wichtiges Ergebnis war sicher die Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Damit bezeugen nun Katholiken, Lutheraner, Methodisten und Reformierte, dass eine der großen trennenden Fragen der Reformationszeit uns heute nicht mehr trennt.

 

Welche Bedeutung sehen Sie darin für die Lippische Landeskirche?

Zwei Dinge möchte ich im Besonderen benennen. Das erste: Die Mitgliedskirchen insbesondere auf der südlichen Halbkugel der Erde machen uns immer wieder deutlich, dass die Fragen von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, von Armut und Reichtum Fragen sind, die zutiefst unseren Glauben betreffen; sie fordern an der Stelle unser Bekennen heraus. Das zweite: Die Klarheit etwa, mit der die Weltgemeinschaft die Beteiligung von Frauen und jungen Erwachsenen an den Leitungsgremien einfordert und praktiziert, ist beispielhaft. Beide Fragen müssen wir auch in unserer Lippischen Landeskirche weiter bedenken.

Hintergrund: Die reformierten Kirchen haben ihren Ursprung in der Schweizer Reformation, die von Ulrich Zwingli (1484-1531) und Johannes Calvin (1509-1564) geprägt wurde.

26.07.2017

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