Akzeptanz und Respekt

Christen und Muslime werben für gegenseitiges Verstehen

Diskutierten über Toleranz und Respekt gegenüber anderen Kulturen und Religionen in Europa: (von links) Pfarrer Jozsef Ötvös (Dekan der Ref. Kirche in Siebenbürgen), Dr. Markus Knerr (Katholische Kirche/Hamm), Ali Kizilkaya (Vorsitzender des Islamrates für die Bundesrepublik) und Pfarrerin Claudia Schreiber (Islambeauftragte der Lippischen Landeskirche). Die Moderation lag bei Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann. (Mitte)

Detmold. Was können Religionsgemeinschaften vor Ort für die Entwicklung von Toleranz und Respekt gegenüber anderen Kulturen und Religionen Europas beitragen? Das war das Thema einer Podiumsdiskussion im Lippischen Landeskirchenamt im Rahmen der Detmolder Konferenz „Unser Europa“. Den Dialog zu führen und Vertrauen aufzubauen, erschien den evangelischen, katholischen und muslimischen Beteiligten auf dem Podium als besonders wichtig.

„Die Religionen haben etwas beizutragen zur Entwicklung von Toleranz und Respekt. Sie haben ein großes Friedenspotential. Sie sollten sich auf ihre friedlichen Impulse besinnen und sie in die Völker hinein vermitteln“, stellte Landesuperintendent Dr. Martin Dutzmann als Gastgeber im Landeskirchenamt zum Auftakt der Veranstaltung fest. Auf dem Podium konnte er unter anderem Ali Kizilkaya, den Vorsitzenden des Islamrates für die Bundesrepublik, begrüßen. „Diese Veranstaltung ist eine gute Gelegenheit, Vorurteile abzubauen und für Toleranz und Respekt zu werben“, so Kizilkaya. „Anderssein ist kein Grund, gegeneinander zu sein. Das gebietet uns schon der Respekt vor der Schöpfung Gottes.“ Er wünsche sich aber, dass es nicht nur bei der Toleranz bleibe, sondern dass die Menschen zu einem gegenseitigen Verstehen, zur Akzeptanz kommen. Dabei gebe es keine Alternative zur persönlichen Begegnung. Die Muslime in Deutschland wollen als Minderheit ihre religiöse Identität wahren, aber niemanden missionieren, erklärte Kizilkaya weiter: „Ich plädiere für den Dialog mit dem Ziel, den anderen zu verstehen, und nicht, ihn zu bekehren.“ Dass Begegnungen, Gespräche, gemeinsames Feiern wichtig sind, betonte auch Pfarrerin Claudia Scheiber, Islambeauftragte der Lippischen Landeskirche. „Religionen können etwas Positives beitragen  und sollen und müssen sich der Zukunft in Europa stellen.“ Dabei solle Religion nicht im Privaten bleiben, sondern sich einsetzen für die Schwachen, die Sprachlosen, für die Würde des Menschen, für Gottes Schöpfung.

Dr. Markus Knerr von der katholischen Kirche in Hamm beschrieb, wie es dort vor Ort mit der Verständigung aussieht. So gebe es einen Gesprächskreis, in dem versucht werde, Probleme, die es im Miteinander gibt, zu lösen und Begegnungen zu organisieren. Auch im Kindergarten wolle man die Bedürfnisse muslimischer Kinder und Familien im Blick haben. Unter dem Jahresthema 2006 „Integration beginnt im Kopf“ kümmere sich die Caritas als katholischer Wohlfahrtsverband verstärkt um Menschen mit Migrationshintergrund. Zum Beispiel würden Pflegekräfte dafür sensibilisiert, wie sie mit muslimischen Patienten und Heimbewohnern umgehen.

Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass es wichtig sei, miteinander zu leben, im Gespräch zu sein und Vertrauen aufzubauen. Der Dialog könne bereichernd sein und auch den Blick auf die eigene Religion wieder schärfen. Eine große Zukunftshoffnung sahen alle insbesondere in den Kindern. Pfarrer Jozsef Ötvös, Dekan der Reformierten Kirche in Siebenbürgen (Rumänien), berichtete von  der Situation in seiner Heimat. Die reformierten Christen in Siebenbürgen haben ungarische Wurzeln, sie gehören zu einer Minderheit in Rumänien: „Wir wollen und müssen zusammen in Frieden leben.“ Das sei erreicht, „wenn unsere Kinder zusammen spielen und nicht mehr unterscheiden.“

30.10.2006

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