6. Detmolder Frauensalon

Geschlechterbeziehungen in der „Stadt der Frauen“ Juchitán/Mexiko

Bild: Prof. Dr. Cornelia Giebeler, Fachhochschule Bielefeld, Dorothee Brand, Pro Familia, Regina Pramann, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Lippe und Monika Korbach von der Ev. Frauenarbeit der Lippischen Landeskirche. (von links)

Kreis Lippe/Detmold. Juchitán – die „Stadt der Frauen“ war das Thema des 6. Detmolder Frauensalons im Café Schokolade. Prof. Dr. Cornelia Giebeler von der Fachhochschule Bielefeld, die sich intensiv mit der Stadt in Mexiko beschäftigt hat, berichtete über das Leben und Geschlechterbeziehungen in Juchitán. Eingeladen hatte die Ev. Frauenarbeit in Zusammenarbeit mit Pro Familia Lippe und der Gleichstellungsstelle des Kreises Lippe.

Oaxaca, eine Region im Süden Mexikos, gehört zu den ärmsten Gegenden Mexikos. Dass diese Armut dort nicht in voller Härte zuschlägt, ist ein Verdienst der Bevölkerung. Den „Zapoteca“ gelingt es, durch eine „Kultur des Gebens und Nehmens“ ökonomisch relativ selbstständig zu bleiben. Ihre Region war Jahrhunderte lang vergessen, hat sich der globalen Kultur gegenüber jedoch geöffnet, ohne dabei die eigene Identität aufzugeben. Cornelia Giebeler kennt Juchitán seit 1986 und hat in vielen Reisen und mehrjährigen Feldforschungsaufenthalten die Lebensweise der Zapoteca studiert. Cornelia Giebeler: „Um zu begreifen, was sich hier als Normalität darstellt, muss man mit den Menschen leben.“

Seit jeher obliegt in Juchitán der Handel und die Verwaltung des Geldes den Frauen. Tauschgeschäfte sind auf dem Markt noch immer üblich. Die Männer arbeiten als Bauern, Fischer und Handwerker und stellen die Produkte für die Feste bereit. Muxe (Homosexuelle) sind integriert und gesellschaftlich toleriert. Sie sticken Trachten und fertigen Schmuck, bleiben bei der Mutter und organisieren das öffentlich-häusliche Leben. Frauen vererben ihr Haus an die jüngste Tochter, die sie im Gegenzug dafür bis zu ihrem Tode pflegt. Es gibt keine Renten- oder Sozialversicherungen. Wer jedoch als Major Domo eines der großen Feste ausrichtet, von denen jährlich 36 Stück stattfinden, hat ausgesorgt. Diese Feste dauern drei bis vier Tage und werden von 3000-4000 Gästen gefeiert. Um einmal Major Domo zu sein, sparen viele ein Leben lang, denn die Festgäste sind durch ihre Teilnahme verpflichtet, dem Festausrichter in der Not beizustehen. Auch wenn von den Gästen zumeist kleine Festgaben mitgebracht werden, kann doch jeder der kommt und dem Festkreis bekannt ist, umsonst essen und trinken. Durch das Prestige, das ein Major Domo erhält, gibt er gerne. So findet eine soziale Umverteilung statt, die die Auswirkung der Armut in Grenzen hält. Außerdem achten die Zapoteca streng darauf, nur mit Produkten aus der eigenen Region Handel zu treiben. Auch dies trägt wesentlich zu ihrer Unabhängigkeit vom Weltmarkt bei. Im Anschluss an den interessanten Vortrag wurden viele Fragen gestellt, die Prof. Dr. Cornelia Giebeler ausgiebig beantwortete. Für den musikalischen Rahmen des 6. Detmolder Frauensalons sorgten Beate Möller und Claudia Iserloh.

 

20.10.2006

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