Musik auf Augenhöhe

Chor „Nyanyuikadi“ sang moderne Kirchenmusik aus Togo

Moderne Kirchenmusik aus Togo präsentierte der Chor „Nyanyuikadi“ in der Lagenser Marktkirche.

Kreis Lippe/Lage. Mit zeitgenössischer afrikanischer Kirchenmusik ließ der Chor „Nyanyuikadi“ („Das Licht der Frohen Botschaft“) aus Togo (Westafrika) bei seinem Auftritt am Montag, 25. September, in der Marktkirche Lage aufhorchen. Die 15 Sängerinnen und Sänger griffen nicht ins Folklorefach, um eingefahrene europäische Vorstellungen von afrikanischer Musik zu bedienen, sondern präsentierten sich als selbstbewusste und zeitgemäße Botschafter ihrer Kirche, der Eglise Evangélique Presbytérienne du Togo (EEPT), die über die Norddeutsche Mission partnerschaftlich mit der Lippischen Landeskirche verbunden ist.

Superintendent i.R. Harald Bollermann (Blomberg), der Präses der Norddeutschen Mission, erläuterte in seiner Konzerteinführung, dass der heutige Begriff „Mission“ nichts mehr gemein habe mit dem früher üblichen Denken. Einst hätten die Europäer geglaubt, dass ihre Zivilisation der afrikanischen Kultur überlegen sei und dass man die Afrikaner „bekehren“ müsse. Heute verstehe man unter Mission eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“. Unterschiede zwischen den Kulturen würden akzeptiert. Präses Bollermann: „Gemeinsam arbeiten die Kirchen des Nordens und des Südens an einem Leben in Solidarität.“
Den musikalischen Beweis für den Bedeutungswandel von Mission lieferte das Chorkonzert in der Marktkirche. Zwar wurden die Sänger und Sängerinnen – wie es in Togo üblich ist – von Trommeln begleitet und auch einige Tänze aus Togo waren zu sehen, doch wurden diese Traditionselemente afrikanischer Kultur nur zitiert. Sie waren nicht Hauptbestandteil des Nyanyuikadi-Auftritts.
Ganz deutlich wurde dies während der Aufführung der 30-minütigen Oper „Xexea Tro“ (Die verkehrte Welt) aus der Feder des togoischen Autors Elitsa Lanou. Dessen Werk erzählt aus afrikanischer Perspektive die Geschichte des Magiers Dr. Faust, der macht- und geldbesessen einen Handel mit dem Teufel, mit Mephisto, abschließt. Aber trotz des Reichtums und aller Macht kann er sein Leben nicht selbst retten, sondern wird erst durch die Musik der Sklaven erlöst. Spätestens bei der Aufführung dieses Singstücks wurde auch dem letzten der überaus zahlreichen Besucher in der Marktkirche deutlich, dass afrikanische Kultur weitaus mehr zu bieten hat als eingängige Melodien und rhythmisches Trommeln.
Den Chorauftritt in Lage hatte die Norddeutsche Mission (NM) vermittelt. Das Missionswerk engagiert sich für die Hilfe zur Selbsthilfe in der Entwicklungshilfe und insbesondere für die Begegnung unterschiedlicher Kulturen, durch die Menschen ganz unmittelbar etwas mit- und füreinander lernen können. Aus diesem Grund hat die NM den Chor Nyanyuikadi für vier Wochen nach Deutschland eingeladen. Zwischen Hamburg und Osnabrück, in Gemeinden in Ostfriesland, am Teutoburger Wald und in Bremen sind Auftritte vorgesehen. Ziel dieser Reise ist es, die reiche musikalische westafrikanische Kultur am Beispiel der modernen Kirchenmusik aus Togo bekannt zu machen.

28.09.2006

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