Mutig sein und Haltung zeigen

Nikolaus Schneider sprach zur Semestereröffnung der VHS Detmold-Lemgo

Plädoyer für Vielfalt und Zusammenhalt: Dr. Nikolaus Schneider in Detmold

Kreis Lippe/Detmold. Im Umgang mit anderen Weltanschauungen und Religionen hat Dr. h.c. Nikolaus Schneider in Detmold zu einer „nachhaltigen Respekttoleranz“ aufgerufen. Diese respektiere Andersdenkende, ohne fraglos zu akzeptieren.




Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sprach in Detmold zur Semestereröffnung der VHS Detmold-Lemgo vor etwa 250 Besuchern in der Aula des Grabbe-Gymnasiums über „Vielfalt und Zusammenhalt – was ist wichtig in einer pluralen Gesellschaft? Die Reformation als Anstoß zur politischen Verantwortung der Kirche.“

Nikolaus Schneider wurde in der Veranstaltung, die in Kooperation mit der Lippischen Landeskirche stattfand, durch die stellvertretende VHS-Direktorin Dr. Evelyn Tegeler, den Präses der Lippischen Landessynode, Michael Stadermann, und Bürgermeister Rainer Heller begrüßt, der die „qualitäts- und gehaltvolle“ Semestereröffnung in Detmold hervorhob: „Die intensive Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftspolitischen Themen ist ein Anspruch, den wir an unsere VHS haben.“

Nikolaus Schneider skizzierte in seinem Vortrag die „unbestreitbaren Verdienste der Reformation“, wie zum Beispiel die Bibelübersetzung, wies aber auch auf die mangelnde Verständigungsbereitschaft hin: „Die Akzeptanz anderer Positionen war Luthers Sache nicht.“ Die Reformation habe „faktisch eine Pluralität von Konfessionen hervorgebracht und war die Auslöserin einer Konfliktgeschichte“, so Schneider weiter: „Sie war aber auch der Auslöser einer Lerngeschichte der Ausbildung von Toleranz“.

Er selbst trete für eine nachhaltige Respekttoleranz ein – „sie respektiert anderes, ohne fraglos zu akzeptieren.“ Sie sei keine Duldungstoleranz, wie es sie bis heute zum Beispiel in muslimisch geprägten Ländern gebe, in denen andere Religionen geduldet würden, ohne erkennbar werden zu dürfen. Sie sei auch keine Gleichgültigkeitstoleranz, in der alle nebeneinander her leben – jeder, wie er wolle. Dies könne fatale Folgen haben und in Intoleranz und Willkür enden. Respekttoleranz verlange ein „aktives Respektieren aller“.

Vielfalt bereichere das Zusammenleben und die Demokratie. Es gebe aber Grenzen: „Toleranz gegenüber Rassismus und Antisemitismus kann es nicht geben“. Rechtsextremismus habe die Mitte der Gesellschaft und auch manche Kirchengemeinde erreicht. Nikolaus Schneider: „Wir sind zu Widerspruch und Widerstand gegenüber Fremdenfeindlichkeit aufgerufen!“ Das erfordere es, „mutig zu sein und Haltung zu zeigen“.

Auf der anderen Seite sei eine Grenze erreicht, wenn Menschen, die zu uns geflüchtet sind, unser Recht brechen. So müssten wir zu Antisemitismus, zur Scharia oder auch zur Beschneidung von Frauen deutlich sagen „Hier nicht!“

Für die christliche Kirche hob Schneider hervor, dass sie multikulturell und multiethnisch sei. Die Bibel betone den respektvollen Umgang mit Fremden und alleine die Taufe entscheide über die Zugehörigkeit und nicht Herkunft oder Hautfarbe. Doch die Toleranz müsse über die Grenzen der Kirche hinausreichen: „Denn Gott ist der Schöpfer aller Menschen.“

24.03.2017

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