Religionen im Gespräch

Dr. Tuba Isik sprach über Emanzipation im Islam

Hochschulpfarrerin Dr. Katharina Kleine Vennekate (links) konnte Dr. Tuba Isik zum Vortrag in Detmold begrüßen

Detmold. Wie geht Emanzipation im Islam? Diese Frage stand am Dienstag, 6. Dezember, in der Veranstaltungsreihe „Religionen im Gespräch“ im Mittelpunkt. Dr. Tuba Isik, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Islamische Theologie an der Universität Paderborn, war dafür mit dem Vortrag „Wie kann Emanzipation gelingen – eine muslimische Perspektive“, ins Café Viva nach Detmold gekommen.

Eingeladen hatten die Initiatoren der Veranstaltungsreihe, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e.V., das Kath. Bildungswerk Lippe, die Ev. Studierendengemeinde Detmold/Lemgo und die Lippische Landeskirche.

„Miteinander reden und nicht übereinander“ und „Aufräumen mit Plattitüden“ waren Stichworte, mit denen Hochschulpfarrerin Dr. Katharina Kleine Vennekate die Zuhörer begrüßte. Hier setzte Dr. Tuba Isik an, schilderte die Wahrnehmung von Musliminnen in unserer Gesellschaft, in der das Kopftuch sofort die Frage auslöse: „Warum gibt sie ihre Freiheiten ab?“ Die Wahrnehmung des Kopftuches als Zeichen von Unterdrückung, von Fremdbestimmtheit und Feind der Gleichberechtigung führe etwa dazu, dass es nicht als persönlicher Ausdruck von Religiosität und Frömmigkeit gesehen, sondern zur Zielscheibe von Alltagsrassismus werde.

„Ist die Frau denn frei, wenn sie ihr Kopftuch ablegt?“, fragte Dr. Isik und stellte fest, dass patriarchalische Strukturen und Festhalten an althergebrachten Rollenvorstellungen Emanzipation verhindern. Die Religion werde für die Verfestigung dieser Strukturen gerne „verstärkend genommen“.

Dr. Isik machte mit der Interpretation einiger Suren aber deutlich, dass es dafür im Koran keine Grundlage gibt. Was mache frau aber, „wenn sie in ihrer Religion nicht anerkannt wird?“, lautete ihre Frage. Als Alternative zu Austritt und Konversion plädierte die Referentin für „Emanzipation durch Religion“. Religiöse Bildung durch Diskussion der Texte des Koran in ihrem Sinnzusammenhang, Einbindung in ihren geschichtlichen Entstehungszusammenhang, politische Bildung und damit „Fähigkeit zur Kritik der eigenen Traditionen“ seien wichtig. Man müsse immer fragen, welche Tradition in der Gesellschaft, in der man lebe, noch Sinn mache. „Emanzipation hängt - nicht nur im Islam - davon ab, wie mutig Frauen sind, ihre Stimmen zu erheben“, so Dr. Tuba Isik.

Die Gläubige habe immer nur die direkte Verantwortung zu Gott und nie zu jemand anderem, denn „Jesus Christus ist auch für Muslime die Offenbarung“ und nicht das, was andere in Schriften aus dieser Zeit überliefert hätten. Eine Gemeinsamkeit zwischen Christen und Muslimen, die oft durch eine anders geprägte Wahrnehmung und den „Schleier des Extremismus“, in den Hintergrund rücken, wie im abschließenden Gespräch festgestellt wurde.  

08.12.2016

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