Fluchtgeschichten aufarbeiten

Clearinghaus: Unterstützung für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge

Im Gespräch: Dirk Pruin, Dietmar Arends, Heiko Schuhmacher und Matthias Neuper (von links)

Detmold. Vor dem Haus herrscht eine freundliche Atmosphäre. Erzieher und Flüchtlinge grüßen, lächeln, fragen, ob man auf dem Weg zu ihnen ist und öffnen die Tür zum Clearinghaus, das die Fürstin-Pauline-Stiftung in Kooperation mit dem SOS Kinderdorf und dem St. Elisabeth-Heim in Detmold betreibt. Heute ist der Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, Dietmar Arends, zu Besuch, um etwas über dieses Haus und die Menschen, die darin leben und arbeiten, zu erfahren. Es ist die von der Landesregierung ausgerufene Woche des Respekts.

„Da die Lippische Landeskirche stark in der Flüchtlingsarbeit engagiert ist, wollte ich die Woche des Respekts zum Anlass nehmen erneut eine Einrichtung der Flüchtlingsarbeit zu besuchen und damit auch den Menschen dort meinen Respekt zu zollen“, so Arends. Er sitzt mit Erziehern, mit Mädchen und Jungen, mit Heiko Schuhmacher und Dirk Pruin von der Fürstin-Pauline-Stiftung sowie Matthias Neuper für das landeskirchliche Diakoniereferat und die Stiftung Herberge zur Heimat rund um einen großen Tisch. Er erfährt, dass im Clearinghaus junge Männer unter 18 leben, die ohne Begleitung nach Deutschland gekommen sind. Aus Anlass des Besuchs sind heute aber auch Mädchen aus der Mädchenwohngruppe in Lemgo da.

Heiko Schuhmacher erinnert sich, wie es war, als ein junger Mann über 18 Jahre vor der Tür stand: „Wir waren froh über die Kooperation mit der Herberge zur Heimat. Die haben sich dort des jungen Mannes angenommen“. Die Kooperation der Träger in der Flüchtlingsarbeit sei allgemein eine gute Erfahrung, betont Schuhmacher. Und das Engagement der Mitarbeiter aller beteiligten Träger sei großartig. „Wie schnell sie sich in die extrem neue Situation, sich um junge Flüchtlinge zu kümmern, eingefunden haben – das war eine enorme Leistung.“ Acht Mitarbeitende gibt es im Clearinghaus, in dem bis zu vierzehn Plätze für Jugendliche zur Verfügung stehen.

Meist sind es Erzieherinnen und Erzieher, die dort intensiv die Jugendlichen betreuen, die unter anderem aus Afghanistan, Syrien und Eritrea nach Deutschland geflohen sind. Im Clearinghaus wird die Fluchtgeschichte aufgearbeitet und nach Perspektiven gesucht. Auch in anderen Gruppen, wie in der Mädchenwohngruppe, wird mit den Jugendlichen die individuelle Geschichte aufgearbeitet. Einige über 18 sind inzwischen im flexiblen Bereich untergebracht. Sie leben in Appartements der Stiftung, in denen sie Unterstützung im Alltag erhalten. All diesen jungen Menschen so individuell wie möglich zu helfen in ihren Plänen – ob sie eine Zukunft in Deutschland suchen oder zurück zu ihren Familien wollen – das wünschen sich die Mitarbeitenden, die an diesem Nachmittag im Clearinghaus von ihrer Arbeit erzählen.

Sie berichten auch, dass vielen jungen Flüchtlingen die Verschärfungen im Asylrecht zu schaffen machen. Familien hätten ihr Erspartes dafür gegeben, damit ihre Kinder in ein sicheres Land fliehen konnten. Da sei die Hoffnung gewesen, die Familien nachholen zu können. Das geht jetzt nicht mehr. Sie hätten Heimweh und Sorge, ihre Familien niemals wiederzusehen. Dietmar Arends zeigte sich am Ende beeindruckt von der Arbeit, die in den Einrichtungen geleistet wird und noch mehr von den Geschichten der jungen Menschen, ihren Hoffnungen und Ängsten.

21.11.2016

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