Für ein friedliches Miteinander

Schulleiterbegegnungstag: Brücken bauen zwischen Christen und Muslimen

Kirchenrat Tobias Treseler (links) sowie Präses Michael Stadermann und Landespfarrer Andreas Mattke (von rechts) begrüßten Cemil Sahinöz (2. von links) als Referent auf der Schulleiterbegegnungstagung.

Kreis Lippe/Detmold. Für ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen in Deutschland hat sich Cemil Sahinöz auf dem Schulleiterbegegnungstag der Lippischen Landeskirche ausgesprochen. Es müssten vielfältige Brücken der Begegnung gebaut werden, um „im Alltag miteinander ins Gespräch zu kommen“, regte der türkischstämmige Soziologe vor Schulleitungsmitgliedern sowie Schulpfarrerinnen und -pfarrern an.

Die Schulleiterbegegnung stand unter der Überschrift „Gemeinsam leben - in Vielfalt glauben. Fragen an den Islam“. Präses Michael Stadermann bekräftigte in seinem Grußwort, dass Kirche und Schule in einer engen Verbindung miteinander ständen. Der evangelische Religionsunterricht leiste einen wichtigen Beitrag zu einer „pluralitätsfähigen Schule“.

Andreas Mattke, Landespfarrer für Kirche und Schule, unterstrich, dass das Tagungsmotto „Gemeinsam leben“ auch der Anspruch der evangelischen Kirche sei. Mattke: „Die evangelische Kirche nimmt den Pluralismus, auch den religiösen Pluralismus, der unsere heutige Gesellschaft ausmacht, wahr und bejaht ihn.“ Die evangelische Kirche sei dialogbereit gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften.

Dialogbereit seien auch die Muslime, zumindest in ihrer übergroßen Mehrheit, erläuterte Cemil Sahinöz, Gastreferent der Tagung. Cemil Sahinöz ist Diplom-Soziologe, Familienberater, Autor, VHS-Dozent und Doktorand der Theologie. Der heute 35-Jährige wurde 1981 als Sohn türkischer Eltern in Deutschland geboren und lebt in Halle/Westfalen. Sahinöz ist Vorsitzender und Sprecher des „Bündnisses Islamischer Gemeinden in Bielefeld“.

Der Koran, so Sahinöz, sei vor mehr als 1.000 Jahren geschrieben worden. Diese Sammlung der Verse und Aussprüche des Propheten Mohammed könne nur verstanden werden, wenn man die historischen Hintergründe der damaligen Zeit beachte. Wolle man in der jeweiligen Gegenwart den zeitgenössischen Sinn der Verse und Sprüche begreifen, müsse man den Koran interpretieren. Einzig eine ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams, nämlich der Salafismus, schlösse jede Interpretation aus, ignoriere gesellschaftliche und theologische Entwicklungen und orientiere sich an Sitten und Gebräuchen des 7. Jahrhunderts.

Die etwa 1.000 Imame, die in Deutschland in den hiesigen Moscheen predigten, seien in der Regel in der Türkei ausgebildet worden und würden von der türkischen Religionsbehörde bezahlt, erklärte Cemil Sahinöz: „Für die Imame gilt ein Politikverbot in den Moscheen. Politische Einflüsse und Beeinflussungen sehe ich nicht, soweit ich das beurteilen kann.“ Um dem Verdacht zu begegnen, dass ein Islam mit ausländischer Kulturprägung in den Moscheen in Deutschland gepredigt werde, sollte die Imam-Ausbildung an deutschen Hochschulen gestärkt werden. Der Staat, die in Deutschland anerkannten Moschee-Vereine und die Universitäten sollten diese Ausbildung gemeinsam organisieren. Sahinöz: „Wir brauchen Imame aus Deutschland.“ Allerdings: Ganz abgesehen von der noch ungelösten Kostenfrage sei es auch in zeitlicher Hinsicht ein langer Weg, um alle benötigten muslimischen Geistlichen in Deutschland auszubilden: „Das dauert nicht Jahre, sondern Jahrzehnte.“
Den Abschluss bildete Daniel Wahren mit einem Gitarrenkreis, der sich aus jungen syrischen Männern zusammensetzte. Gemeinsam wurde gesungen auf Deutsch, Englisch, Spanisch und auch Arabisch.

10.11.2016

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