Ökumene im Zweibahnverkehr

Hauptversammlung der Norddeutschen Mission: Impulse aus Partnerkirchen

Zur Tagung in Stapelage waren als Vertreter der jeweiligen Kirchenleitung aus Ghana Joseph Anami, Prosper Attakey und Moderator Dr. Livingstone Buama sowie aus Togo Komla Kpoti, Edoh Degbovi und Moderator Dr. Kodjo Bessa (von links) gekommen. Dr. Dietrich Werner (3. von links) hielt das Impulsreferat der Hauptversammlung, die von Präses Harald Bollermann (Mitte) und Generalsekretär Hannes Menke (3. von rechts) geleitet wurde.

Kreis Lippe/Lage-Stapelage. „Wir arbeiten an einem neuen Stil des ökumenischen Lernens im Zweibahnverkehr.“ Für Pastor Dr. Dietrich Werner vom Nordelbischen Missionszentrum in Breklum sind die Zeiten lange vorbei, als Mission und Evangelisation noch als „Exportartikel“ in Richtung Übersee verstanden wurden. Pastor Werner sprach auf der Hauptversammlung der Norddeutschen Mission im Tagungshaus Stapelage.

Pastor Werner empfahl den Vertretern des Missionswerkes, ökumenische Impulse aus den Überseekirchen aufzugreifen, um sie für die Erneuerung der Kirche in Deutschland zu nutzen. Die evangelischen Landeskirchen in Deutschland sollten sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass sie sich in einer Übergangssituation zwischen Volkskirche und Missionskirche befänden. Auf vielen Ebenen sei ein „volkskirchlicher Rückbau“ zu beobachten, der von „schmerzhaften Strukturanpassungen“ geprägt sei. Um schrumpfende Kirchensteuereinnahmen halbwegs zu kompensieren, komme es auf der Ebene von Gemeinden und diakonischen Einrichtungen zu kostensparenden Zusammenlegungen und Kooperation. Aber, so Pastor Werner: „Fusionen brauchen Visionen. Fusionen allein sind keine Antwort auf die Frage, wie Kirche erneuert werden kann.“

Vielleicht könne ein Blick über die Landesgrenze hinaus helfen. Viele Partnerkirchen im Süden und im Osten hätten keinen Grund, sich über schrumpfende Mitgliederzahlen zu beklagen, zeigte sich Werner überzeugt: „Weltweit erleben wir die Realität einer ökumenischen Gemeinschaft wachsender Kirchen.“ In Lateinamerika, Afrika und Asien nehme die Zahl der Christen stark zu. Seiner Einschätzung nach fehle es den evangelischen Kirchen in Deutschland, auch seiner nordelbischen Heimatkirche, an Visionen von der Möglichkeit wachsender Kirchen.

Im vergangenen Jahr hätten Vertreter von Partnerkirchen für mehrere Wochen die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche besucht, um an Gottesdiensten teilzunehmen und sich Gemeinde- sowie Diakonieeinrichtungen anzuschauen. Anschließend seien die Gäste aus Übersee gebeten worden, ihre Eindrücke zu schildern und Empfehlungen auszusprechen. Herausgekommen sei dabei unter anderem, dass die Gäste den Eindruck gewonnen hätten, dass es den Christen in Hamburg und Schleswig-Holstein an Selbstbewusstsein mangele, ihren Glauben in der Öffentlichkeit zu bekennen. Die Nordelbische Kirche habe die Anregungen aufgegriffen. Auf ihrer kommenden Herbstsynode mit dem Arbeitstitel „Glauben weitergeben heute“ solle ein missionarischer Erneuerungsprozess eingeleitet werden.

Für das von Dietrich Werner als unerlässlich angemahnte „Lernen im Zweibahnverkehr“ sorgten in Stapelage Abordnungen der Evangelischen Kirchen in Ghana und Togo. Partnerkirchen der Norddeutschen Mission sind die beiden Evangelischen Kirchen in Ghana und Togo, die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, die Ev.-Ref. Kirche und die Lippische Landeskirche.

Arbeitsschwerpunkt des Missionswerkes ist es, den Menschen in Togo und im Nachbarland Ghana zu helfen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Zur Aufgabenvielfalt zählt auch die Unterstützung von Schulen, Krankenhäusern und Gesundheitsstationen, Frauen-, Jugend- und Landwirtschaftsprogrammen sowie von handwerklichen Ausbildungsstätten.

19.06.2006

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