Eltern für 24 Stunden

Babysimulatoren für das Evangelische Beratungszentrum

Manfred Klocke (links) vom ELIA-Vereinsvorstand übergab Christoph Pompe, Leiter des Evangelischen Beratungszentrums, die Übungspuppen „Lea“ und „Kemal“.

Kreis Lippe/Detmold. „Lea“ und „Kemal“ sehen aus wie zwei Babypuppen zum Spielen. Doch sie sind kein Spielzeug, sondern mit teurer Elektronik ausgestattete „Babysimulatoren“. In Zusammenarbeit mit Gemeindepädagoginnen und Schulsozialarbeiterinnen startet das Evangelische Beratungszentrum ein neues Projekt: „Probe für das Elternsein: Minderjährige trainieren verantwortliche Säuglingspflege auf Zeit mit Babysimulatoren und vermeiden Schwangerschaften.“

Das Beratungszentrum will die vorbeugenden Maßnahmen zur Verhinderung ungeplanter Schwangerschaften – insbesondere bei Minderjährigen – ausbauen. Pfarrer Christoph Pompe, Leiter der Beratungsstelle: „Wir verteufeln keine Teenager-Schwangerschaften. Wir wollen den Jugendlichen wirklichkeitsnah veranschaulichen, dass ein Baby das Leben verändert und dass es Zuwendung, Zeit und Wissen erfordert.“ Die beiden Puppen „Lea“ und „Kemal“ seien dafür ein geeignetes Mittel. Deren Erwerb wurde jetzt ermöglicht durch eine Spende des „Evangelischen Vereins zur Förderung sozialer Projekte und Initiativen in Lippe – ELIA“, der die Gesamtkosten für die Babysimulatoren in Höhe von 2400 Euro übernommen hat.

Die Jugendlichen lernen mit dem „RealCareBaby“, wie der Hersteller seine Puppen nennt, viele Anforderungen der Säuglingspflege. Sie  erleben, was es bedeutet, rund um die Uhr verantwortlich für ein „eigenes Baby“ zu sein. Das „RealCareBaby“ ahmt sehr realistisch den Tagesablauf eines Kleinstkindes nach. Mit unterschiedlichem Schreien fordert es Füttern, Bäuerchen, Windelwechsel und beruhigendes Wiegen. Es kann zufrieden jauchzen und husten oder ist manchmal einfach „nörgelig“. Auch auf grobe Behandlung und Vernachlässigung reagieren die elektronischen Sensoren des Puppencomputers.

Ein Einsatz von „Lea“ und „Kemal“ im Bereich der Schulsozial- und der Kirchengemeindearbeit ist vorgesehen und soll mit den entsprechenden pädagogischen Partnern in der Lippischen Landeskirche entwickelt werden. Schon jetzt, so Christoph Pompe, lägen Anfragen von Schulsozialarbeiterinnen vor, „Lea“ und „Kemal“ an Schülergruppen auszuleihen.

Der Leiter des Evangelischen Beratungszentrums will mit den beiden „Babys“ den Bekanntheitsgrad der Beratungsstelle bei Jugendlichen steigern. Christoph Pompe: „In Kooperation mit sexualpädagogischen Projekten der Schulsozialarbeit, der Mädchenarbeit im kirchlichen Raum und dem kirchlichen Unterricht sollen Besuche Jugendlicher beiderlei Geschlechts die Schwellenangst vor der Beratungsstelle abbauen. Das Konzept ‚Probe für’s Elternsein’ kann handlungsorientiertes Wissen über Zeugung, Schwangerschaft, Geburt und Säuglingspflege vermitteln.“ Ein Besuch der Detmolder Kinderklinik mit Babykörbchen und einer gynäkologischen Praxis sollen gegebenenfalls das Angebot ergänzen.

Zum Hintergrund: Die Zahl der minderjährigen Schwangeren, die einen Schwangerschaftsabbruch haben durchführen lassen, hat sich in Deutschland in den Jahren 1996 bis 2003 fast verdoppelt. Von den steigenden Fallzahlen ist auch das Evangelische Beratungszentrum der Lippischen Landeskirche berührt, denn als integrierte, familienorientierte psychologische Beratungseinrichtung ist es auch anerkannte Schwangerschafts- und Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle.

16.06.2006

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