Ökumenischer Vespergottesdienst im Paderborner Dom

v.l.: Gemeindereferent Robin Malloy, Superintendentin Anke Schröder, Bischof Damian el Amba Beshoy, Kirchenrat Andreas-Christian Tübler, Erzbischof Hans-Josef Becker, Präses Alfred Buß, Abt Dr. Hanna Aydin, Erzpriester Tilemachos Margaritis

Paderborn, 28. Mai 2006. Im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen fand am Sonntag zum siebten Mal der traditionelle ökumenische Vespergottesdienst statt. Erzbischof Hans-Josef Becker begrüßte zahlreiche Vertreter evangelischer und orthodoxer Kirchen und dankte für das Geschenk der ökumenischen Zusammenkunft. „Unser Ziel ist die volle Einheit im Glauben“, betonte Becker, der sich erfreut zeigte über das gute ökumenische Klima in der Region. Der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Alfred Buß, betonte in seiner Predigt, dass Versöhnung und Gemeinschaft vor allem in Jesus Christus erfahren würden.

An der Liturgie beteiligten sich neben Erzbischof Becker und Präses Buß der theologische Kirchenrat Andreas-Christian Tübler in Vertretung für Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann von der Lippischen Landeskirche, Superintendentin Anke Schröder vom Evangelischen Kirchenkreis Paderborn, Bischof Damian el Amba Beshoy vom koptisch-orthodoxen Patriarchat von Deutschland, Abt Dr. Hanna Aydin, Patriarchalvikar der syrisch-orthodoxen Diözese in Deutschland, Erzpriester Tilemachos Margaritis, Pfarrer der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde der Heiligen Apostel in Dortmund sowie Gemeindereferent Robin Malloy von der evangelisch-freikirchlichen  Gemeinde in Paderborn.

 

Einen Perspektivwechsel vom Rang einer kopernikanischen Wende wünschte sich Präses Buß in seiner Predigt. „Versöhnung und Gemeinschaft“, so betonte er, „haben zur Voraussetzung, dass wir Kirchen nicht mehr um uns selber kreisen, sondern um das gemeinsame Haupt Christus.“ Von den irischen Christen mit ihren leidvollen Auseinandersetzungen in Nordirland könne man lernen, dass das Evangelium mit seiner ermutigenden und versöhnenden Kraft Spaltungen und Ressentiments überwinden helfe. Es gelte, nicht auf die eigene Kraft, vielmehr auf Gottes Verheißung zu vertrauen. „Versöhnung und Gemeinschaft wird möglich unter der Gegenwart Christi – sagt das Evangelium, sagen die irischen Christen“, unterstrich Buß.

 

Versöhnung und Gemeinschaft erforderten auch eine Aufarbeitung der Vergangenheit und der Gegenwart, führte der Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen weiter aus. „Die bestehenden ökumenischen Probleme wollen angegangen und gelöst werden, auf allen Ebenen: zwischen theologischen Fakultäten genauso wie zwischen Gemeinden und Kirchenleitungen.“ Dabei müssten auch Belange der kleineren Kirchen ernst genommen werden. Wo Streit sei, möge man die Wahrheit sagen. Wahrheit zusammen mit der Maßlosigkeit der Liebe Gottes seien die Schlüssel für Versöhnung und Gemeinschaft. „Christen haben eine große Kraftquelle. Die Mitte liegt nicht in uns selbst. Christus verspricht seine Gegenwart“, schloss der Präses die Ansprache.

 

Die Liturgie war besonders gestaltet mit festlicher Chor- und Orgelmusik vom Kirchenchor St. Laurentius Nordborchen unter der Leitung von Christian Nolden und von Domorganist Gereon Krahforst. Im Wechsel der Liturgen wurden Psalmgebet, Lesung und Fürbitten gesprochen und gemeinsam das Vaterunser. Mit persönlichen Segenwünschen und dem gemeinsamen Segen wurden die zahlreichen Gläubigen nach dem Vespergottesdienst im Hohen Dom in den Sonntagabend entlassen. Für die Mitwirkenden fand anschließend ein Empfang im Konrad-Martin-Haus statt.

 

Erzbischof Dr. Johannes Joachim Kardinal Degenhardt hatte 1999 erstmals die christlichen Kirchen in Westfalen zu einer ökumenischen Vesper in den Hohen Dom nach Paderborn eingeladen. Der Anlass war das 1200-jährige Jubiläum des Bistums Paderborn, das in diesem Jahr gefeiert wurde. Seitdem fand der Abendgottesdienst in jedem Jahr in katholischen oder evangelischen Kirchen statt. Er wird  im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen gefeiert.

29.05.2006

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