Kindergärten vor Trägerwechsel

Angespannte Finanzlage setzt Kirchengemeinden unter Handlungsdruck

Kreis Lippe/Bad Salzuflen. In Bad Salzuflen stehen fünf Kindertageseinrichtungen vor einem Trägerwechsel. Die jetzigen Träger, vier evangelische Kirchengemeinden, sehen sich finanziell nicht mehr in der Lage, die Einrichtungen mit insgesamt 14 Gruppen und 335 Plätzen weiterzuführen.

Insgesamt beträgt das Betriebskostenvolumen für die fünf Kindergärten in evangelischer Trägerschaft 1.440.000 Euro, den Großteil hiervon bezahlt die Stadt. Die Kirchengemeinden bringen als Trägeranteile jährlich mehr als 220.000 Euro für die Arbeit der Kindergärten auf. Dies wird in Zukunft nicht mehr möglich sein. Hintergrund ist die angespannte Finanzsituation der Lippischen Landeskirche und ihrer Kirchengemeinden durch die zurückgehenden Einnahmen aus der Kirchensteuer. Zudem steht eine Novellierung des Gesetzes für Kindertageseinrichtungen bevor, deren Herausforderungen die kirchlichen Träger alleine nicht gewachsen sind.

Die ev.-luth. Gemeinde Bad Salzuflen, die ev.-ref. Gemeinde Schötmar, die ev.-ref. Gemeinde Retzen und die ev. Gemeinde Lockhausen-Ahmsen wollen nun in Verhandlungen mit der Stadt treten, um die Verträge über die Trägerschaft aufzulösen und damit die Einrichtungen an die Stadt zurückzugeben. „Das heißt nicht, dass uns die Unterstützung von Kindern und Eltern, die Arbeit unserer Kindergärten, unwichtig geworden ist“, betont Pfarrerin Steffie Langenau von der ev.-luth. Kirchengemeinde Bad Salzuflen. „Im Gegenteil, wir möchten uns mit diesem Schritt für den Erhalt der Einrichtungen einsetzen und auch Arbeitsplätze sichern. Vor allem liegt uns daran, die inhaltliche Arbeit und den Kontakt zwischen Kindergarten und Gemeinde nicht aufzugeben.“ Darum wünschen sich die Kirchengemeinden einen Trägerwechsel zum Diakonischen Werk, dem Spitzenverband der evangelischen Kindergärten. „Als Träger von mehreren Einrichtungen ist das Diakonische Werk den Herausforderungen, die durch die Gesetzesnovellierung auf die Kindertageseinrichtungen ab 2007 zukommen, gewachsen“, urteilt Sabine Menzel, Fachberaterin für ev. Kindertageseinrichtungen im Diakonischen Werk. Der Bestand der Einrichtungen könne so gesichert und der Kontakt zu den Kirchengemeinden erhalten bleiben. Mitarbeiterinnen und Eltern seien über den angestrebten Trägerwechsel informiert, der Jugendhilfeausschuss werde am 8. Juni über die Entscheidung der Kirchengemeinden beraten. Ziel sei es, einvernehmlich mit der Stadt Bad Salzuflen zu einer Lösung zu kommen.

26.05.2006

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