Konflikte interkulturell verstehen und lösen

Erstes studienbegleitendes Seminar der ESG erfolgreich

Studienbegleitendes Seminar der ESG mit Dr. Katharina Kleine Vennekate (nicht auf dem Bild) und Antje Jebens (rechts).

Detmold/Lemgo. „Konflikte interkulturell verstehen und lösen“ – so lautete das Thema des ersten Seminars, das für Studierende der Hochschulen in Lippe von der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) angeboten wurde.
14 Studierende aus Kamerun, Jemen und Israel kamen in Detmold zusammen und trainierten ihre Fähigkeiten zur interkulturellen Konfliktlösung.

Hochschulseelsorgerin Dr. Katharina Kleine Vennekate und Dipl.-Pädagogin Antje Jebens vom Ev. Beratungszentrum der Lippischen Landeskirche führten durch den Tag. Zum Auftakt stellten die Studierenden Sprichworte zum Thema Streit aus der eigenen Kultur vor. „Wer als Erster nach einem Streit um Versöhnung bittet, ist der Beste“ – so lautet ein Sprichwort aus dem Jemen. Oder aus Kamerun: „Schmutzige Wäsche wasche in der Familie.“  Gleich zu Beginn des Seminars sei deutlich geworden: Das Lösen von Konflikten in den Familienverbänden oder Dorfgemeinschaften stehe in diesen Kulturen im Vordergrund.  Es werde viel kollektivistischer gedacht, empfunden und gehandelt, als dies in der westlich individuell geprägten Kultur alltäglich sei: „Dieser Unterschied ist nur ein Beispiel dafür, warum interkulturelle Konflikte häufig komplexer und deshalb auch schwieriger zu lösen sind“, erläuterte Dr. Kleine Vennekate in ihrem Referat. Konflikte hätten wie bei einem Eisberg sichtbare und unsichtbare Dimensionen, wobei der unsichtbare Teil größer sei – das zeige die Konfliktforschung. Renommierte Kulturwissenschaftler beschreiben Kultur mit dem gleichen Bild, erklärte Kleine Vennekate. Innere Haltungen, Normen und Werte, das Verhältnis von Männern und Frauen usw. gehörten zu der unsichtbaren bzw. nicht bewussten Dimension von Kultur. Bei einem interkulturellen Konflikt überlagerten sich diese unsichtbaren Dimensionen und führten so leicht zur Eskalation. Ein erster Schritt zur Lösung sei deshalb, größere Sensibilität für andere Kulturen zu entwickeln, sie und die eigene Kultur reflektieren zu können und fähig zu sein, über Konflikte  frühzeitig gemeinsam zu reden. Hier präsentierte Antje Jebens aus ihrer langjährigen Beratungstätigkeit Informationen, wie Konfliktgespräche konstruktiv geführt werden können: „Gute Kommunikation ist der Schlüssel zur gelingenden Konfliktlösung.“ Dazu lieferte Jebens zahlreiche Tipps und Hilfestellungen, die lebhaft diskutiert wurden.

„Das war ein super Thema“, waren sich die teilnehmenden Studierenden am Ende des Tages einig: „Es hat sich gelohnt, aber die Zeit war noch zu kurz.“ Eine Fortsetzung wird gewünscht. Gefördert wurde das Seminar von „Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst“.

01.02.2016

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