Christlich-muslimischer Dialog

Prof. Dr. Bertold Klappert auf der Pfarrkonferenz der Lippischen Landeskirche

Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann (rechts) konnte auf der Pfarrkonferenz der Lippischen Landeskirche Professor Dr. Bertold Klappert begrüßen.

Kreis Lippe/Lage-Stapelage. „Es gibt im Islam auch tolerante Kreise, zu denen wir Kontakt aufnehmen und die wir unterstützen sollten. Irans Präsident Ahmadinedschad ist nicht der alleinige Vertreter des Islam.“ Die Namensnennung des iranischen Staatsoberhaupts war der einzige tagesaktuelle Bezug, den der Theologie-Professor Dr. Bertold Klappert auf der Pfarrkonferenz der Lippischen Landeskirche am Mittwoch, 10. Mai, in Stapelage herstellte. Der emeritierte Professor für Systematische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal beschäftigte sich vor 120 lippischen Pfarrern in seinem Vortrag mit dem Thema „Theologische Grundlagen des christlich-muslimischen Dialogs“.

Die im Grundsatzreferat vertretenen Thesen fanden in der anschließenden Diskussion nicht nur die Zustimmung der Pfarrkonferenz. Einige Pfarrer wandten gegen die Klappertschen Thesen ein, dass sie es erlauben würden, den Islam-Begründer Mohammed in eine Reihe mit den Propheten des Alten Testaments zu stellen. Prof. Klappert verlange in dieser Hinsicht (zu) viel angesichts des Geburtsjahres Mohammeds (um 570 nach Christus) und bestimmter antichristlicher und antijüdischer Aussagen im Koran.

Zuvor hatte Prof. Klappert anhand der alttestamentarischen Abrahamgeschichte dargelegt, dass sich Juden, Christen und Moslems gleichermaßen auf den Gott Abrahams berufen: Die Moslems leiten ihr Herkommen ab von Ismael, Abrahams Sohn aus dessen Verbindung mit seiner Dienerin Hagar. Für die jüdische und christliche Tradition sei Isaak von Bedeutung, Abrahams Sohn aus dessen Ehe mit seiner Frau Sara. Ein Dialog beziehungsweise ein Trialog zwischen den drei abrahamitischen Religionen käme nur zustande, wenn keine von ihnen „Exklusivitätsansprüche“ anmelde, um ihre Überlegenheit darzustellen.

Jesus Christus als später Sohn Abrahams erfülle den „ungekündigten Bund“ Gottes mit Israel und beziehe dadurch die gesamte Menschheit in diesen Bund mit ein. Dadurch erhalte das „ökumenische Christusvolk aus allen Nationen“ Anteil an den Israel geschenkten Verheißungen. In der Tradition des evangelisch-reformierten Theologen Karl Barth sprach sich Klappert für einen breiten Dialog des Christentums mit allen Religionen aus: „Dieser auf der Basis des Dialoges mit dem Judentum zu führende Dialog muss zuerst mit den Muslimen, aber auch mit den anderen Religionen deshalb geführt werden, weil durch die messianische Prophetie Jesu Christi die Ausgießung des Geistes auf alles Fleisch mit Pfingsten bereits erfolgt ist.“

Nur in der Geschwister-Beziehung zum Judentum und zum Islam habe die Kindschaftsbeziehung zu Abraham einen guten Sinn. Die in Jesus Christus vollzogene Mitberufung zu Abrahamkindern stelle die ökumenische Kirche in eine Beziehung zum Israel-Volk, dem Judentum, sowie zur Abraham-Gemeinschaft, dem Islam, und zu der einen, unteilbaren Menschheit, der der ungeteilte Segen Abrahams letztlich gelte. Indem die Theologie diesen vier Dimensionen der Abraham-Verheißung heute biblisch nachdenke, nämlich der Israel-Dimension, der Ismael-Dimension, der Christus-Dimension und der Völker-Dimension, komme sie ökumenisch auf verbindliche Wege.

12.05.2006

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