Das bisschen Haushalt

Frühjahrstreffen der Frauenkreise diskutiert über die Anerkennung von Hausarbeit

Großer Andrang am Büchertisch beim Frühjahrstreffen der Frauenkreise in Haus Stapelage

Kreis Lippe/Lage-Stapelage. „Das bisschen Haushalt“ – dieses Thema ist ein Dauerbrenner und stößt auch bei lippischen Frauen auf lebhaftes Interesse. Mehr als hundert Teilnehmerinnen waren zum Frühjahrstreffen der Frauenkreise in das Tagungshaus Stapelage der Lippischen Landeskirche gekommen. Die Ev. Frauenarbeit hatte eingeladen, sich mit der Bedeutung von Hausarbeit auseinander zu setzen.

Das Thema wurde von verschiedenen Seiten beleuchtet, mit Sketchen, einer Andacht, lebhaften Diskussionen und einem Büchertisch zum Thema. Im Mittelpunkt des Abends stand das Referat der Freiburger Publizistin Dr. Dorothee Markert, die seit vielen Jahren in der Frauenbewegung aktiv ist. „Die Frauenbewegung vor 30 Jahren hat Fehler gemacht“, so Dorothee Markert. „Damals wollten wir zeigen, dass wir alles können, was Männer auch können. Hausarbeit war für uns Sklavenarbeit.“ Das habe sich geändert, seit ungefähr zehn Jahren werde auf Wert und politische Bedeutung der Hausarbeit hingewiesen. Frauen haben demnach erkannt, „wie wichtig die Hausarbeit auch für die Welt ist und für die politische Entwicklung in der Welt“. Die Theologin Ina Praetorius habe es einmal besonders treffend formuliert: „Die Welt ist unser Haushalt.“

So vermittle Hausarbeit die Liebe zu den Dingen, etwas, das in unserer protestantischen Kultur keine Bedeutung habe: „Es ist lange Tradition, dass uns ganz schnell ein schlechtes Gewissen gemacht wird, wenn wir zuviel Wert auf das Irdische legen“, so Markert. Gott und den Nächsten zu lieben stehe im Mittelpunkt. Doch die Liebe zu den Dingen und die Liebe zu den Menschen gehörten zusammen: „Ich glaube, dass das eine ohne das andere nicht möglich ist. Menschen die keine Achtsamkeit mit Dingen haben, gehen auch oft schlecht mit sich selbst und mit anderen Menschen um.“

Gerade das Erhalten, das Reinigen, Waschen, Reparieren, gehöre zu den Tätigkeiten der Hausarbeit, die am meisten verachtet würden. Auch im Beruf seien Tätigkeiten wie Reparieren und Pflegen schlecht bezahlt. Bedeutung habe die Produktion, ohne Rücksicht zum Beispiel auf Energieverbrauch oder Müll. Dorothee Markert: „Die Pflege und der Erhalt der Dinge muss Grundlage sein jeder ökologischen Bewegung, die sich vornimmt, Zukunftsfähigkeit zu leisten. Regenerative Energien sind gut. Noch besser wäre es, Energie zu sparen. Einsparen, Müll vermeiden, das Wiederverwenden von Dingen hat unsere ganze Welt nötig.“ Auch in der Erziehung spiele der Haushalt eine große Rolle. „Hausarbeit ist heute der einzige Bereich, in dem Kinder noch Zugang zur Arbeit haben.“ Sie lernen in der Familie den Umgang mit Dingen, mit Hilfe einer Person, die Zeit und Geduld habe. Menschen, die Hausarbeit leisten, seien auch diejenigen, die schenken und geben, ohne Geld dafür zu nehmen, ein Wert, der unbedingt erhalten und ausgeweitet werden solle. „Wir wissen als Hausfrauen auch ganz viel über das Leben, erkennen, dass nicht immer alles gleich funktioniert, klammern uns nicht an Prinzipien fest.“ Es ist wichtig, findet Dorothee Markert, dass Hausfrauen dieses alles mehr  in die Öffentlichkeit tragen –„ weil sie sehr viel über das Leben wissen.“ 

12.05.2006

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