Jedes Gespräch eine Überraschung

Gudrun Rehmann stellt Integrationsgeschichten vor

Kreis Lippe. Im Rahmen der Kampagne „ZUSAMMENLEBEN gelingt“ des Kreises Lippe und der Lippischen Landeskirche gab es im vergangenen Jahr nicht nur eine Reihe an Festen, Gottesdiensten, Veranstaltungen und Initiativen – sondern es ist auch eine Broschüre entstanden: „Zuwanderer in Lippe - Beispiele für gelungene Integration“.

Gudrun Rehmann hat dafür mit Menschen, deren Eltern und Großeltern als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland kamen, mit anerkannten Asylbewerbern, ausländischen Studierenden und mit Menschen, die durch die Ehe nach Deutschland gekommen sind, gesprochen. Ihre Erfahrungen hat sie in der Broschüre „Zuwanderer in Lippe“ zusammengefasst: „Jedes Gespräch war eine Überraschung“, sagt sie über die Begegnungen.

Insgesamt hat sie 15 Menschen getroffen. Vom Besitzer einer Pizzeria, über eine Kolumbianerin, die durch Heirat nach Lippe gekommen ist, bis zum politischen Flüchtling aus einem afrikanischen Land hat Gudrun Rehmann ein vielfältiges Bild von Integration gezeichnet – manchmal ganz leicht und wie selbstverständlich gelungene Integration, manchmal mit einigen Hürden, in wenigen Fällen auch nicht gelungene Integration.

Mit den so entstandenen Lebensdokumentationen ist sie in Gruppen und Kreise in Kirchengemeinden gegangen: „Zum Auftakt habe ich jeweils ein oder zwei Kapitel gelesen und dann sind wir schnell ins Gespräch gekommen“. Dabei habe sie die unterschiedlichsten Erlebnisse gehabt, berichtet die 76-jährige. Standen in einer Gruppe Erfahrungen mit Kirchenasyl im Mittelpunkt, wurde in einer anderen über bi-nationale Ehen gesprochen, während in wieder einer anderen Gruppe Erfahrungen mit Ostflüchtlingen nach dem 2. Weltkrieg mit denen von heute verglichen wurden.

 „In einem weiteren Kreis fing eine Frau nach einem Kapitel an zu weinen. Sie fühlte sich an ihre eigene Situation erinnert, in der sie mit den zugewanderten Nachbarn, einer Familie, die nach und nach immer mehr Verwandtschaft und Freunde ins Haus holte, überhaupt nicht zurechtkam. Da haben wir dann im Gespräch versucht, Lösungen zu erarbeiten.“ Es sei deutlich geworden, dass Integration von beiden Seiten gewünscht werden müsse – von den Einheimischen ebenso wie von den Zuwanderern.

Auch in einer Moscheegemeinde sei sie zu Lesung und Gespräch zu Gast gewesen, ein sehr schöner Termin: „Hier wurde vor allem bedauert, dass es sehr schwer falle, neben der anstrengenden Existenzgründung in Deutschland noch Zeit zu finden, sich auch politisch zu engagieren, um auf die Bedürfnisse der Zuwanderer aufmerksam zu machen.“

Die Kampagne „ZUSAMMENLEBEN gelingt“ ist im September nach einem Jahr zu Ende gegangen, einzelne Projekte gehen jedoch weiter. So wird auch Gudrun Rehmann noch mehrere Gruppen und Kreise mit ihrer Broschüre besuchen. Sie lächelt: „Ich bin für weitere Einladungen offen“.  Kontakt: Tel.:05231/31231 (täglich zwischen 12.30 und 13 Uhr)

„Zuwanderer in Lippe – Beispiele für gelungene Integration“

26.10.2015

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