Kunst oder Kultgegenstand

Bild und Bibel Thema im Kirchlichen Zentrum in Eben-Ezer

Vor einem Glaskunstwerk im Kirchlichen Zentrum der Stiftung Eben-Ezer: Landessuperintendent Dietmar Arends, Dörte Vollmer und Prof. Dr. Andreas Lindemann. (v.l.)

Kreis Lippe/Lemgo. Das Themenjahr „Bild und Bibel“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) stand im Mittelpunkt des Abends, zu dem die Lippische Bibelgesellschaft ins Kirchliche Zentrum der Stiftung Eben Ezer eingeladen hatte. Der Einführung in die Glaskunstwerke des Gebäudes folgte der Vortrag „Christus – Bild des unsichtbaren Gottes. Welche Bilder sind erlaubt?“

Die Fensterbilder des Kirchlichen Zentrums sind abstrakt, spielen mit Licht, zeigen klare Farben, aber auch Linien mit Kurven und Brüchen. Dörte Vollmer von der Stiftung Eben-Ezer interpretierte in einem Vortrag die Glaskunstwerke Johannes Schreiters. Schreiter bleibt - so Dörte Vollmer- im Abstrakten, bietet Raum für eigene Interpretationen. Seine Werke haben nichts „ikonenhaftes“, taugen nicht als Kultgegenstand.

Kunst oder Kultgegenstand – auf diese Unterscheidung ging auch Prof. Dr. Andreas Lindemann in seinem Vortrag zum Bilderverbot ein. Schön früh setzte die Interpretation ein, dass sich das 2. Gebot auf die Götterbilder der Ägypter und Babylonier beziehen und als Abgrenzung verstanden werden müsse. Professor Dr. Lindemann zeigte auf, wie unterschiedlich die bildhafte Darstellung von Personen und Szenen aus der Bibel in der Religionsgeschichte beurteilt wurde und wird. Die „große Spannweite“ die er feststellte, geht von „Gottesbilder sind verwerflich“ bis hin zur Ikonografie oder zur bildlichen und möglichst realistisch geprägten Darstellung von Szenen aus dem Leben Jesu. Die Bibel komme nicht ohne Bilder aus und „Bilder sind wirkmächtig“, stellte Lindemann fest. Anders als beim sprachlichen Bild sei aber klar, dass „das gemalte Bild ein unveränderliches Gegenüber ist“. Die Gefahr, dass es zum Kultgegenstand wird, steige dadurch.

„Ein Kunstwerk im kultischen Raum ist ein Gegenstand, dem ich nicht ausweichen kann. Je realistischer etwas dargestellt ist, umso weniger kann ich mich dem entziehen“, so der Referent,  der feststellte, dass man beim Blick auf die Bilder Christus nicht begegnen könne. Dr. Lindemann plädierte für das täglich anders geprägte Bild Gottes, das im Kopf entsteht und meinte zur Symbolik des Kreuzes: „Das Kreuz als solches sagt nichts. Es muss durch das Wort erklärt werden.“

26.10.2015

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