Von der Seele schreiben

Briefseelsorge kann Menschen helfen

Kreis Lippe. „Manche Menschen schreiben ihre Probleme lieber auf Papier, als darüber am Telefon zu sprechen.“ Gudrun aus Lippe arbeitet seit zwei Jahren ehrenamtlich für die Evangelische Briefseelsorge. Ihr ist wichtig, dass auch Menschen in Lippe etwas über diese Möglichkeit, die es neben der Telefonseelsorge gibt, erfahren.

„Für manche ist die schnelle Reaktion am Telefon eine zu große Belastung. Man kennt den Ansprechpartner nicht, leicht ist etwas gesagt, das laut ausgesprochen im Raum steht und nicht zurückgenommen werden kann. Beim Schreiben kann man länger überlegen.“ Gudrun beantwortet Briefe von Menschen, die sich in einer Notlage befinden, oder bei einem Problem Hilfe oder Rat benötigen.

Mehrere evangelische Landeskirchen und auch das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bieten bundesweit Briefseelsorge an. Die Lippische Landeskirche selbst hat kein solches Angebot. Vor einigen Jahren lernte Gudrun die Briefseelsorge der Diakonie kennen, für die sie sich nun engagiert. Sie gehört zu den insgesamt zehn ehrenamtlich Mitarbeitenden, die sich mit den Sorgen der Schreibenden befassen und zuverlässig antworten. Von der Zentrale in Stuttgart aus werden die eingehenden Briefe an die Ehrenamtlichen weitergeleitet. Absolute Vertraulichkeit ist selbstverständlich. Die Probleme sind vielfältig: „Da geht es um Trauer, um Scheidungen, um Gefängnisseelsorge. Oft sind es auch Eltern, die mit ihren heranwachsenden Kindern Schwierigkeiten haben, oder umgekehrt junge Menschen, die Probleme mit ihren Eltern oder mit dem Hereinwachsen ins Arbeitsleben haben.“ Nach dem ersten Kontakt entwickelt sich oft ein längerer brieflicher Austausch. Gudrun berät, stellt zum Beispiel weitere Adressen und Kontaktmöglichkeiten für ihre Briefpartner zusammen. Manchmal gehen die Probleme, von denen sie erfährt, ihr selbst sehr nahe oder sind so schwierig, dass sie nicht weiß, wie sie reagieren soll. Dafür gibt es eine Fachbegleitung, an die sie sich wenden kann. „Mit dieser Ansprechpartnerin für uns Ehrenamtliche überlege ich zum Beispiel gemeinsam, was ich antworten soll, wenn es ein sehr schwieriger Fall ist. So dass ich nicht ganz allein damit dastehe.“

In der Briefseelsorge kann Gudrun Menschen mit Hilfsbedarf ausführlich begleiten. In der Telefonseelsorge, für die sie vorher jahrelang tätig war, ist das anders, hier ist eine Dauerbetreuung nur schwer möglich. „Briefseelsorge ist das geeignete Medium für Menschen, die Zuspruch über eine längere Zeit benötigen.“ Gudrun lächelt. „Wenn es schon eine so schöne Einrichtung wie die Briefseelsorge gibt, dann soll man sie auch nutzen.“

Kontakt:

Evangelische Briefseelsorge
Postfach 600 306
81203 München

04.05.2006

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