Alle Religionen haben Bilder

Hamideh Mohagheghi sprach im Haus Münsterberg in Detmold

Pfarrerin Bettina Hanke-Postma konnte Hamideh Mohagheghi (links) zum Vortrag im Haus Münsterberg begrüßen

Kreis Lippe/Detmold. „Ein allgemeines Bilderverbot gibt es im Koran nicht“, stellte Hamideh Mohagheghi in ihrem Vortrag im Haus Münsterberg in Detmold fest. In der Reihe „Bild und Bilderverbot in jüdischer, christlicher und islamischer Perspektive. Religionen im Gespräch“ war ihr Vortrag „Der Islam und die Bilder heute“ der Auftakt für insgesamt fünf Abende zum Thema.

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe (GfCJZ) und die Evangelische Studierenden Gemeinde Detmold/Lemgo hatten die wissenschaftliche Mitarbeiterin für Islamische Theologie der Universität Paderborn eingeladen. Das Interesse war groß, etwa 60 Besucher wurden von Pfarrerin Bettina Hanke-Postma, Vorstandsmitglied der GfCJZ, begrüßt.
„Alle Religionen haben Bilder“, so Hamideh Mohagheghi in ihrem Vortrag. Im Koran werde versucht, Glaubensinhalte mit Bildern darzulegen. Es gebe in der islamischen Tradition sehr plakative, sehr lebendige, figurative Bilder, etwa vom Paradies und der Hölle. Mohagheghi hatte Beispiele von Propheten- und Engelbilder mitgebracht, stellte fest, das Prophetenmalerei in der schiitischen Tradition nicht ungewöhnlich sei, dass aber auf allen Bildern, die etwa den Propheten Muhammad und seine Mutter zeigen, deren Gesichtszüge abgedeckt sind.
Auch wenn es kein allgemeines Bilderverbot gebe, sei das Gebot „Kein Bild von Gott“ etwas Gemeinsames in der christlichen und islamischen Überlieferung. Im Islam gebe es aus dieser Überlieferung heraus keine Bilder in den Gebetsräumen. Dies habe aber die Kalligraphie als Kunst gefördert. Statt Bildern, wie sie in christlichen Kirchen oft zentral sind, schmücken kunstvolle kalligraphische Werke, neben wertvollen Intarsienarbeiten, die Moscheen, stellte die Referentin fest.
Die Muhammad-Karikaturen und ihre Folgen sowie die Sprengung von Statuen und alter Kulturstätten durch Taliban und IS waren Thema in der anschließenden Fragerunde. Diese Gewalthandlungen könne man vor dem Hintergrund des Islam nicht erklären, so Mohagheghi. In der muslimischen Gemeinschaft sei klar, dass die IS-Anhänger keine Moslems sind, ergänzte ein Besucher.
Zu den Muhammad-Karikaturen gebe es allerdings keine Interpretation, die für Muslime akzeptabel sei. Freiheit bedeute eben nicht, dass „ich alles machen kann, was mir gefällt“, meinte die Referentin.
Im nächsten Vortrag befasst sich Prof. Dr. Frank Crüsemann am 24. September um 19.30 Uhr im Haus Münsterberg mit dem Bilderverbot in jüdischer und christlicher Tradition.


 

07.09.2015

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