Besondere Fürsorgepflicht

Landessuperintendent Dietmar Arends legt Bericht des Landeskirchenrates vor

Kreis Lippe/Detmold. Aktuelle politische Themen wie Flüchtlingsarbeit, Umgang mit dem IS-Terror, die Debatte zur Sterbehilfe, aber auch die Entwicklung der Mitgliederzahlen in der evangelischen Kirche und die besondere Fürsorgepflicht den Pfarrerinnen und Pfarrern gegenüber sind Punkte, die Landessuperintendent Dietmar Arends im Bericht des Landeskirchenrates aufgegriffen hat.

Die Lippische Landeskirche hat, wie die anderen evangelischen Landeskirchen auch, in diesem Jahr verstärkt mit Kirchenaustritten* zu tun. Dietmar Arends: „Im August dieses Jahres hatte die Zahl der Austritte aus unserer Landeskirche die gesamte Zahl des letzten Jahres bereits erreicht.“ Als ein Grund hierfür gelte das geänderte Verfahren bei der Abführung von Kirchensteuer auf Kapitalerträge. Meist stünde aber anderes dahinter, vermutet Arends: „Wer die Umstellung bei der Kirchensteuer auf Kapitalerträge zum Anlass nimmt, aus der Kirche auszutreten, hat sich innerlich wahrscheinlich oft schon längst von der Kirche verabschiedet.“
Menschen, die persönlichen Kontakt zu ihrer Pfarrerin, ihrem Pfarrer hatten, fühlten sich oft stärker verbunden mit der Kirche, Menschen, die keinen solchen Kontakt hatten, wüssten sich häufig der Kirche kaum bis gar nicht verbunden - dies sei ein Ergebnis der 5. Mitgliedschaftsstudie der EKD. Auftrag der Kirche sei allerdings in erster Linie nicht die Mitgliederpflege oder -bindung, so Arends, sondern, wie es die Barmer Theologische Erklärung von 1934 (Dokument des kirchlichen Widerstands im Nationalsozialismus) formuliert, der Auftrag: „…die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk“.
Dabei komme sicher den Pfarrerinnen und Pfarrern eine besondere Bedeutung zu, „weil sie es sind, die in besonderer Weise mit der Predigt des Evangeliums und der Verwaltung der Sakramente beauftragt sind. Aber sie sind es eben nicht allein.“ Die Weitergabe des Glaubens, die Verkündigung des Evangeliums sei die gemeinsame Verantwortung der Gemeinde.
Es verbiete sich aber noch aus einem anderen Grund, auf Basis der Ergebnisse der Mitgliedschaftsstudie zu sagen, die Pfarrer sollten es richten: „Ich habe wahrgenommen, dass wir sehr viele unglaublich engagierte Pfarrerinnen und Pfarrer in unserer Kirche haben!“ Ihnen sei mit den notwenigen Strukturveränderungen der letzten Jahre viel zugemutet worden: „Und es war eine große Bereitschaft, das mitzutragen“. Es sei viel an zusätzlicher Belastung durch Stellenreduktionen, Zusammenlegungen und zusätzlichen Beauftragungen für die Pfarrerinnen und Pfarrer hinzugekommen: „Wir haben, so sehe ich es, eine Fürsorgepflicht für unsere Pfarrerinnen und Pfarrer. Und die besteht auch darin, bei zurückgehenden Stellenanteilen nicht immer mehr von ihnen zu erwarten.“ Es sei insgesamt festzustellen, dass sehr viele Menschen in der Kirche der Reformprozesse müde sind – auch die Lippische Landeskirche befinde sich gerade wieder in einer Reform, in der die Klassen (Kirchenkreise) von derzeit sieben auf vier reduziert werden. Dies binde viele Kräfte.

Landessuperintendent Arends sprach in seinem Bericht auch Themen aus dem gesellschaftspolitischen Bereich an, so wie die Situation der Flüchtlinge: „Obwohl die stark steigenden Zahlen von Flüchtlingen und Asylbewerbern seit langem bekannt waren, war unser Land nicht ausreichend vorbereitet.“ Positiv hob Arends das vielfältige Engagement von Ehrenamtlichen für die Flüchtlinge hervor: „Es gibt viele Menschen die sich hier einbringen – auch viele Mitglieder unserer Gemeinden – das ist ein Engagement, für das wir nur dankbar sein können. Es zeigt, dass viele Menschen gewillt sind, Flüchtlingen die Zuflucht zu gewähren, die sie suchen. Sie sind Teil einer Willkommenskultur, die wir so dringend brauchen.“ Dabei solle nicht verschwiegen werden, dass die Unterbringung einer großen Zahl von Flüchtlingen auch die Kommunen und die dort lebenden Menschen vor große Herausforderungen stellt, dass es Fragen gibt, die dringend einer Beantwortung auf Bundesebene oder europäischer Ebene harren.

Ein weiteres Thema, das viele Menschen in den vergangenen Wochen und Monaten sehr beschäftigt habe, seien die Nachrichten und die Bilder des Schreckens durch den Terror des sogenannten IS: „An der Not der verfolgten Yeziden, Christen und anderer Gruppen im Nordirak und in Syrien ist auch die ethische Frage nach dem Einsatz militärischer Gewalt neu aufgebrochen. Auch kirchenleitende Personen wurden immer wieder zu ihrem Standpunkt befragt.“ Große Einigkeit bestehe bei den leitenden Geistlichen in der EKD unter anderem darin, dass der Schutz der Flüchtlinge oberste Priorität haben müsse oder dass es im Blick auf eine militärische Intervention dringend eines UN-Mandates bedarf. Keine völlige Übereinstimmung herrsche aber in der Frage der Waffenlieferungen aus Bundeswehrbeständen an die Kurden. „Ich selbst gehöre zu denen, die sich hier eher sehr kritisch geäußert haben, vor allen Dingen, da überhaupt nicht absehbar ist, wo diese
Waffen künftig noch überall eingesetzt werden, gegen wen sie sich richten werden.“

Die dritte gesellschaftliche Frage, die auch mit den Kirchen intensiv diskutiert werde, sei die Frage nach dem Leben und Sterben an der Grenze des Lebens. „Wir werden aufgefordert sein, im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens uns als Kirchen dazu zu verhalten, weil es unsere ureigenste Frage ist“, so Landessuperintendent Arends. „Ich teile die Sorge vieler in der anstehenden Diskussion, dass ein Verbot allein der gewerblichen Beihilfe zum Suizid anderen Formen der organisierten Beihilfe erst zu gesellschaftlicher Anerkennung verhelfen würde und wir vor allen Dingen die Hospizarbeit und die Palliativmedizin stärken müssen.“


• Bis 21.10.2014: 1111
• 2013 gesamt: 1001
• 2012 gesamt: 702

Weitere Infos zur Lippischen Landeskirche:

Rund 171.000 Gemeindeglieder
69 reformierte und lutherische Gemeinden (58 ref., 10 luth., 1 ev.*)
6 reformierte und 1 lutherische Klasse
52 Synodale

* Lockhausen-Ahmsen ist eine evangelische Kirchengemeinde mit Mitgliedschaft in der reformierten Klasse Bad Salzuflen und in der Lutherischen Klasse.

 

 

 

27.10.2014

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