Sich näher kommen

Kampagne „ZUSAMMENLEBEN gelingt“ gestartet

Im Gespräch über ZUSAMMENLEBEN gelingt: Prof. Dr. Masoud Mirzaie, Hilal Fatma Dinc, Thorsten Wagner, Ari Haenen, Friedel Heuwinkel, Dietmar Arends. (von links)

Kreis Lippe/Detmold. Den Blick dorthin richten, wo das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft gut funktioniert: das will die gemeinsame Kampagne „ZUSAMMENLEBEN gelingt“ des Kreises Lippe und der Lippischen Landeskirche. Mit einer Podiumsdiskussion und Musik des Ensembles Vinorosso im Kreishaus in Detmold ist die Kampagne am Mittwoch, 24. September, offiziell eröffnet worden.

Etwa 80 Gäste konnte Landrat Friedel Heuwinkel im Kreistagssaal begrüßen.
Sich kennenzulernen und näherzukommen ist der Wunsch, den Heuwinkel mit der auf ein Jahr angelegten Kampagne verbindet: „Auch hier bei uns im Kreishaus arbeiten viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Sprachen, ich empfinde das als einen ganz besonderen Schatz.“ Es freue ihn, dass der Kreis Lippe und die Lippische Landeskirche diese Kampagne gemeinsam tragen „und so gut zusammen passen“.
Dietmar Arends, Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, wünscht sich „gelingende Begegnung und wachsendes Verständnis“ von den interkulturellen Projekten und Veranstaltungen.
Insbesondere jetzt, angesichts des IS-Terrors, ginge es um das „Einstehen für ein friedliches Miteinander“. Motivation findet er in der Bibel: „Unsere Religion wurzelt im jüdischen Glauben. Im Alten Testament steht über den Fremdling: Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und Du sollst ihn lieben wie dich selbst - das ist Zusammenleben gelingt vor mehr als 2.500 Jahren.“
In der von Thorsten Wagner moderierten Podiumsdiskussion berichteten Menschen aus den Niederlanden, der Türkei und dem Iran von ihren Erfahrungen in Deutschland: der TBV Lemgo Handballer Ari Haenen, die Personalleiterin des SC Electronic Service in Herford, Hilal Fatma Dinc, und Prof. Dr. Masoud Mirzaie (Klinikum Lippe). Alle drei verbindet, dass sie sich wohl in Deutschland fühlen. „Handball ist eine eigene Sprache“, hebt Ari Haenen das Verbindende des Sports hervor. „Und außerhalb des Spiels helfen einem die anderen Jungs. Ich fühle mich wohl in Lemgo und habe mich schnell eingewöhnt.“ Dinc hat in Bad Salzuflen ihr Zuhause gefunden. Bei der Arbeit zähle für sie nicht die Herkunft der Mitarbeitenden und Bewerber: „Für mich ist jeder Mensch ein Individuum, die Persönlichkeit zählt und ob das Anforderungsprofil der Stelle, die wir vergeben wollen, erfüllt wird.“ Die weltweiten Entwicklungen derzeit beobachtet sie mit Sorge. Angesichts des ausufernden Terrors von Gruppen, die vorgeben, im Namen des Islam zu handeln, wünsche sie sich, dass der Zentralrat der Muslime in Deutschland früher Stellung bezogen hätte.
Auch für Prof. Dr. Masoud Mirzaie gibt es kritische Punkte. Ihn bewegt vor allem die Situation im Gesundheitswesen. „Es wird sehr wenig gefordert“, findet er angesichts der Mediziner, die aus dem Ausland an deutsche Kliniken kommen. „Integration muss obligatorischer Bestandteil der Zuwanderung sein. Ich finde es nicht richtig, dass wir ankommende Mediziner erst um Deutschkurse bitten müssen“.
Weitere Themen wurden aus dem Publikum angesprochen, von der Anerkennung von Berufsabschlüssen über die Aufnahme von Flüchtlingen bis hin zu den Jugendlichen, die sich in Deutschland für Terrorgruppen werben lassen.
Thorsten Klute (Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen) zeigte sich angesichts der Diskussion um die Integrationspolitik, die oft den Problemstempel trage, sehr dankbar für die Kampagne ZUSAMMENLEBEN gelingt: „Solche Projekte brauchen wir zurzeit in ganz Deutschland.“
Innerhalb der Kampagne sind bereits mehrere Initiativen auf den Weg gebracht: so treffen sich zum Beispiel junge Frauen unterschiedlicher Herkunft bei „Coffee to stay“, es gibt eine interkulturelle Ausstellung: „Kinder brauchen Märchen – Erwachsene auch“, Frauen kurdischer und deutscher Herkunft kochen gemeinsam orientalisch, eine Broschüre von Gudrun Rehmann „Zuwanderer in Lippe“ zeigt Beispiele für gelungene Integration und ein Projekt für Konfirmanden ist in Planung. Ansprechpartnerin für weitere Projekte: Sabine Hartmann (Lippische Landeskirche), Tel.: 05231/976864, Sabine Beine (Kreis Lippe), Tel.: 05231/62-398. Infos: www.lippische-landeskirche.de, www.kreis-lippe.de.

 

26.09.2014

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