Arbeit auf jüdischem Friedhof

Gruppe aus Lippe zu Gast in Litauen

Lipper und Litauer haben gemeinsam den jüdischen Friedhof in Darbenai gepflegt.

Kreis Lippe. Zur Friedhofspflege auf dem alten jüdischen Friedhof von Darbenai, an der Ostseeküste in Grenznähe zu Lettland, war jetzt eine Gruppe mit 31 Teilnehmern aus Lippe in Litauen zu Gast. In Darbenai lebten vor dem 2. Weltkrieg noch 40 % jüdische Bewohner im "Stetl", dem jüdisch geprägten Teil der Kleinstadt, mit ganz eigenen Bräuchen. Nach dem dortigen Wüten des deutschen Sicherheitsdienstes (SD) und der litauischen Nazi-Freischärler 1941 überlebte kein Einziger den Holocaust.

Pfarrerin Cornelia Wentz (ev.-luth. Kirchengemeinde Bergkirchen): „Wir können als heutige Deutsche diese Wunden nicht heilen, nicht wieder gut machen, was an Gräueln einst geschah, aber wir können die Erinnerung an jüdisches Leben wachhalten, Gräber sichtbar erhalten, damit sie uns zu Frieden und Toleranz mahnen.“
Wie auch schon bei der Friedhofspflege in den vergangenen Jahren in Biržai bewährte sich eine gute Mischung aus Litauern und Lippern, Jung und Alt (14-73 Jahre), Männer und Frauen. Nach Absprache mit dem Bürgermeister und dem zuständigen Revierförster wurden die Wald- und Friedhofspflegearbeiten zügig geschafft. Unter anderem befreite die Gruppe Grabsteine von Moos, machte Inschriften sichtbar und sammelte Müll. Mittags gab es litauische Spezialitäten in einer Dorfschänke. Cornelia Wentz: „Am Samstag dankten uns die Vertreter der litauischen Öffentlichkeit für unseren Fleiß und fühlten sich angespornt, mit litauischen Schulklassen weiterhin für den Erhalt des Friedhofs zu sorgen.“ Ein Besucher aus Jerusalem hatte zuvor Inschriften übersetzt und von drei Dozentinnen der Universität aus Vilnius bzw. Klaipeda gab es nach Feierabend Wissenswertes über das jüdische Leben in Litauen zu erfahren.
Aber auch Freizeit am Ostseestrand und Besichtigungstouren in die Umgebung gehörten zum Programm dazu. Cornelia Wentz: „Alles in allem war es eine sehr gelungene Fahrt mit vielen neuen Erlebnissen, mit vertrauten litauischen Freunden und Freundinnen und dem Gefühl, etwas Sinnvolles gemeinsam bewegt zu haben. Unser Dank geht an Pfarrer Miroslav Danys, Osteuropabeauftragter der Lippischen Landeskirche, für die gute Organisation, an die Gesellschaft für christliche-jüdische Zusammenarbeit in Lippe und insbesondere an das Auswärtige Amt, das das Projekt großzügig unterstützt hat.“

 

15.09.2014

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