„Die beiden Arme Jesu“

Oberkirchenrat Dr. Thies Gundlach zur „Ökumene der Profile“

Oberkirchenrat Dr. Thies Gundlach sprach auf der Theologischen Tagung des Evangelischen Bundes über die „Ökumene der Profile“

Lage-Stapelage. „Das eigene Profil zeigen und den anderen stark sein lassen in seinen Stärken.“ Auf diese Formel brachte Oberkirchenrat Dr. Thies Gundlach das protestantische Verständnis eines Miteinanders der christlichen Kirchen. Gundlach ist Leiter der Abteilung „Verkündigung, Kirchliche Dienste und Werke“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Er sprach zur „Ökumene der Profile“ am Montag, 6. März, im Tagungshaus Stapelage der Lippischen Landeskirche, in das der Evangelische Bund Westfalen und Lippe zu einer theologischen Arbeitstagung eingeladen hatte.

Der Evangelische Bund (EB) ist das konfessionskundliche und ökumenische Arbeitswerk der EKD. Die Tagung stand unter dem Thema „Ökumene: Wie geht es weiter im evangelisch-katholischen Dialog?“

Thies Gundlach warnte die beiden großen deutschen Kirchen davor, freiwillig in eine „Profilierungsfalle“ zu stolpern. Diese schnappe zu, wenn sowohl die evangelische wie die katholische Kirche sich „überprofilierten“. Dies würde es der jeweils anderen Schwesterkirche erschweren, Anknüpfungspunkte und Kooperationschancen zu finden. Als Beispiel einer „Überprofilierung“ nannte Oberkirchenrat Gundlach den aus protestantischer Sicht eher beiläufigen Empfang evangelischer Kirchenvertreter durch den Papst während des Weltjugendtags in Köln. Die Unterschiedlichkeit der beiden Kirchen dürfe nicht unter den Tisch gekehrt, aber sie müsse ernsthaft wahrgenommen und fair beschrieben werden.

Der EKD-Vertreter verglich die evangelische und die katholische Kirche mit „den beiden Armen Jesu“. Die unterschiedlichen Stärken und Profile der beiden Kirchen würden die Chance bergen, die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit anzusprechen. Schwierig würde es dann, wenn eine Konfession für sich einen Alleinvertretungsanspruch einfordere. Wenn sich die christlichen Kirchen im gegenseitigen Verständnis als verschiedenartige Erscheinungsformen der „nicht sichtbaren, einen Kirche Jesu“ begriffen, hätten sie womöglich auch eine Antwort gefunden auf die aktuellen Probleme, mit denen sich Kirche in Deutschland konfrontiert sehe.

„Wir Christen in Deutschland sitzen doch in einem Boot“, sagte Dr. Gundlach. Der gesellschaftliche Wandel, die demografische Entwicklung wie auch die zunehmende Islampräsenz beträfen die katholische und die evangelische Kirche gleichermaßen. „Das Mitgliedschaftsverhalten ist in beiden Kirchen ähnlich angefochten.“ Die eine Kirche bedauere den Rückgang kirchlicher Trauungen, die andere die abnehmende Zahl kirchlicher Bestattungen. Wenn die katholische und die evangelische Kirche auf längere Sicht von der Allgemeinheit noch wahrgenommen werden wollten, sollten sie gemeinsam nach außen wirken – ohne gegenseitige Ausgrenzung, aber mit ihren unterschiedlichen Profilen.

Als Vertreter der katholischen Kirche sagte Prälat Dr. Michael Hardt vom Bistum Paderborn, dass er unter Ökumene ein „gegenseitiges theologisches Beschenken“ verstehe, was etwas völlig anderes sei als eine Einigung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. In der Tat stünden die katholische Kirche und die evangelischen Landeskirchen vor denselben Herausforderungen, zum Beispiel der Kirchenferne vieler Menschen und der nachlassenden Finanzkraft der Kirchen. Ökumenische Zusammenarbeit sei ein Prozess: „Nur das gemeinsame Gespräch bewirkt Erkenntnis und Verständnis.“

Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann hatte in seinem tagungseröffnenden Grußwort seiner Freude darüber Ausdruck verliehen, dass auch katholische Geistliche die Landestagung des Evangelischen Bundes besuchten: „Nur so können wir einen Dialog von Angesicht zu Angesicht führen.“

08.03.2006

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