Ökumene in Lippe

Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann sprach auf dem Gemeindenachmittag des Evangelischen Bundes

Trafen sich auf dem Gemeindenachmittag des Evangelischen Bundes in Detmold: Pfr. Dr. Werner Weinholt, Vorstandsmitglied im EB Landesverband Westfalen und Lippe; Pfr. Dr. Walter Fleischmann-Bisten, Generalsekretär des EB; Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann; Dechant Karl-Heinrich Brinkmann; Pfr. Norbert Filthaus, Vorsitzender im Vorstand des EB Landesverbandes Westfalen und Lippe (von links).

Kreis Lippe/Detmold. „Es gibt in Lippe einen regen ökumenischen Austausch – daran werde ich mich gerne beteiligen.“ Dieses Fazit zog Landessuperintendent Dr, Martin Dutzmann auf einem Gemeindenachmittag in der Kirchengemeinde Detmold-West. Er sprach dort über seine „Erste Wahrnehmung in Sachen Ökumene – sechs Monate nach Amtsbeginn“. Eingeladen hatte der Evangelische Bund, der mit seiner Landesversammlung Westfalen und Lippe in der Lippischen Landeskirche zu Gast war.

Evangelisch und ökumenisch sind die Leitgedanken des Evangelischen Bundes (EB), der ein Arbeitswerk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Die Mitglieder verbinden evangelische Grundorientierung mit ökumenischer Weite und suchen das Gespräch, insbesondere mit der katholischen Kirche. „Es ist in der Ökumene immer gut, nicht nur übereinander zu reden, sondern im Ansatz miteinander“, so Pfarrer Norbert Filthaus vom EB Westfalen und Lippe bei der Begrüßung. In diesem Sinne waren auf dem Gemeindenachmittag der katholische Dechant Karl-Heinrich Brinkmann und Pastor Manfred Selle von der Evangelisch-methodistischen Kirche in Detmold gern gesehene Gäste.
Dechant Brinkmann verwies auf die guten Beziehungen zur Lippischen Landeskirche: „Wir hatten gemeinsame Kirchenfeste, Glaubensgespräche und sogar einen gemeinsamen Kirchentag. Es gibt jede Menge gute Erfahrungen, für die ich sehr dankbar bin.“
Als Referent des Nachmittags sprach Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann. Er zeigte sich überzeugt, „dass man weder in der Gemeinde arbeiten noch die Kirche leiten kann, ohne dass dabei auch die ökumenischen Partner von vornherein mit im Blick sind.“ Und theologisch gesehen, „ist es der erklärte Wille Jesu Christi, dass wir alle eins sind.“
Seine Eindrücke der Ökumene in Lippe sind vielfältig und positiv. Sie reichen vom besonderen Miteinander zwischen reformierten und lutherischen Christen in der Lippischen Landeskirche über die konfessionelle Kooperation im Religionsunterricht zwischen katholischer und evangelischer Kirche bis hin zum geplanten ökumenischen Kirchentag in Lemgo mit Beteiligung auch evangelisch-freikirchlicher Gemeinden.
Dutzmann machte aber auch an Beispielen die Grenzen des Miteinanders deutlich. So habe das Leiden und Sterben Papst Johannes
Paul II. ihn als evangelischen Christ einerseits menschlich angerührt: „Johannes Paul II. hat dem unbarmherzigen Leitbild von ewiger Jugend, Schönheit und ewiger Gesundheit ein barmherziges Bild des Menschen entgegengesetzt.“ Unbehagen bereite ihm allerdings die Erinnerung an die Bilder der letzten Lebenstage des Papstes, im Rollstuhl am Fenster, nicht mehr in der Lage sprechen zu können: „Gehört zum Annehmen der menschlichen Schwachheit nicht auch, dass ich ein mir so schwer gewordenes Amt aus der Hand geben darf?“ Doch der Papst sei seinem Selbstverständnis nach der Stellvertreter Christi auf Erden, weshalb er einmal sinngemäß gesagt habe, dass Christus schließlich auch nicht vom Kreuz gestiegen sei. „Da werde ich als evangelischer Christ doch hellhörig. Nach meiner Überzeugung hat Jesus Christus am Kreuz für uns gelitten, und das ein für allemal.“
Schmerzlich sei auf dem Weltjugendtag in Köln die Ausladung aller nicht-römisch-katholischen Menschen vom Abendmahl bei den Eröffnungsgottesdiensten gewesen: „Gut, dass wir im Alltag der Gemeinden solche Demonstrationen nicht nötig haben.“

07.03.2006

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