Kirchen in NRW rufen zu Gewaltfreiheit auf

Kirchliches Versagen im Ersten Weltkrieg beklagt

Bielefeld/Detmold (epd). Die evangelischen Kirchen in NRW haben das Versagen der Kirchen beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges beklagt und die heutige Verpflichtung zum Frieden unterstrichen.

Statt Stärke zu zeigen, habe sich damals die evangelische Kirche "vor den politischen Karren" spannen lassen, sagte der Theologische Vizepräsident der westfälischen Kirche, Albert Henz, am Freitag in Bielefeld dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Sie hat versagt. Das darf nie wieder geschehen!" Deshalb müssten heute Christen die Stimmen erheben, Gewalt verurteilen und Frieden fördern. Der Staat müsse statt in Rüstungsgüter verstärkt in friedensfördernde Aktivitäten investieren.

Der Lippische Landessuperintendent Dietmar Arends erklärte, es erfülle heute mit tiefer Scham, dass der Krieg vor 100 Jahren in Predigten theologisch überhöht worden oder dass zur Vernichtung der Feinde aufgerufen worden sei. "Hier ist Kirche schuldig geworden", sagte er in Detmold dem epd. Kirche müsse heute den Vorrang von Gewaltfreiheit immer wieder einfordern. Dass Deutschland trotz seiner besonderen Geschichte heute der drittgrößte Waffenexporteur der Welt sei, sei unerträglich. Wenn für die Bundeswehr die Anschaffung von bewaffneten Drohnen ins Auge gefasst werde, "ist das ein Schritt in die falsche Richtung", kritisierte Arends.

"Natürlich haben wir unsere Lehren zu ziehen, auch als evangelische Kirche", erklärte die Düsseldorfer Landeskirchenrätin Christine Busch, die für die Evangelische Kirche im Rheinland unter anderem für Friedensarbeit zuständig ist. Nach der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts müsse heute der "Gerechte Frieden" dem historischen Versagen entgegengesetzt werden. Wenn aktuell eine stärkere Verantwortung Deutschlands in der Welt angemahnt wird, sollte diese vor allem in der Konfliktprävention und in der zivilen Konfliktbearbeitung bestehen, sagte Busch zur Debatte über Kampfdrohnen.

Die Kirchen rufen dazu auf, sich an einer bundesweiten "Schweigeminute" am 1. August um 12 Uhr zum Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkrieges zu beteiligen. Außerdem finden in den Kirchenkreisen und Gemeinden Gottesdienste, Ausstellungen und Konzerte zum Thema statt. In der Düsseldorfer Johanneskirche ist bereits am kommenden Sonntag unter dem Titel "Verleih uns Frieden gnädiglich" ein Konzert zum Gedenken beider Weltkriege angekündigt. Im westfälischen Rheda-Wiedenbrück gibt es am 27. Juli eine ökumenische Wallfahrt. Im Saarland finden zum Gedenken ein ökumenischer Gottesdienst in Saarlouis und am 3. August ein weiterer Gottesdienst in der Johanneskirche Saarbrücken statt.

Der rheinische Präses Manfred Rekowski wird zudem im Oktober gemeinsam mit Vertretern der belgischen Partnerkirche die Gedenkstätte Menenport sowie einen, englischen, deutschen und belgischen Friedhof besuchen. Zum traditionellen "Remeberenceday" am 9. November im britischen Halifax wird im zentralen Gedenkgottesdienst Pfarrer Jens-Peter Bentzin aus Monschau die Predigt halten.
 

28.07.2014

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