Die Orientierung bleibt schwierig

Prof. Dr. Claudia Jonas auf dem Evangelischen Bauerntag

Prof. Dr. Claudia Jonas (3. von rechts) wurde in Kachtenhausen begrüßt von Adolf Meier zu Döldissen (3. von links) sowie (dahinter, von links) Kirchenrat Tobias Treseler, Pfarrer Dirk Hauptmeier, stv. Landrätin Kerstin Vieregge, Pfarrer Dirk Gerstendorf, Anneliese Havermeier und Karin Helweg (beide vom Landfrauenverband Lage).

Kreis Lippe/Lage-Kachtenhausen. Siegel und Prüfzeichen auf den Lebensmittelverpackungen in Ruhe betrachten und darüber nachdenken, wer und warum mit diesen Zeichen besondere Eigenschaften von Lebensmitteln herausstellen möchte. Wer diesen Ratschlag beherzigt und besonnen im Supermarkt einkauft, schafft sich nach den Worten von Professorin Dr. Claudia Jonas die besten Voraussetzungen, in der „Zeichenflut von vermutlich 300 Siegeln und Logos“ die Orientierung zu behalten.

Die Professorin für Lebensmittelchemie und Lebensmittelrecht an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe sprach zum Thema „Im Dschungel der Logos, Siegel und Marken“ auf dem Evangelischen Bauerntag der Lippischen Landeskirche am Sonntag, 6. Juli, in der ev.-ref. Kirchengemeinde Kachtenhausen.
Nach dem von den Pastoren Dirk Gerstendorf (Kachtenhausen) und Dirk Hauptmeier (landeskirchlicher Beauftragter für den „Dienst auf dem Lande“) gestalteten Gottesdienst und der Begrüßung der etwa 100 Angehörigen des landwirtschaftlichen Berufsstandes durch Adolf Meier zu Döldissen (Vorsitzender der Kammer für den ländlichen Raum) führte die Wissenschaftlerin (Lemgo) aus, dass die Ursprungsidee der Siegel und Prüfzeichen gewesen sei, den Verbrauchern „Sicherheit durch Transparenz“ zu vermitteln. Angesichts Dutzender Logos, die in den zurückliegenden Jahren entstanden seien, falle den Konsumenten die Orientierung jedoch bisweilen schwer. Die Siegel auf den Verpackungen unterschieden sich hinsichtlich ihrer Deutlichkeit und Aussagekraft.
Inhaber und Träger eines Zeichens seien oft eingetragene Vereine, die die fachlichen Anforderungen und Vergabekriterien entwickeln. Zum Beispiel vergebe ein Verein das Label „Fairtrade“ für Produkte aus dem Fairen Handel. Es garantiere unter anderem gerechte Löhne für Kleinbauern in den Produzentenländern und schließe Kinderarbeit aus. Es gebe Siegel für nachhaltige Fischerei und delfinsicher gefangene Thunfische.
Und es gebe immer wieder Kritik an diesen und anderen Bescheinigungen, weil einige Eigenschaften in den Vordergrund gerückt und andere verschwiegen würden.
Nur wenige Produktsiegel basierten auf einer rechtlichen Grundlage, wie etwa das 2010 eingeführte EU-Bio-Logo, das einem Blatt nachempfunden ist. Für die Nutzung dieses Siegels unterziehen Hersteller ihre Produkte freiwillig einer Prüfung. Die Kriterien, Lebensmittel mit dem EU-Bio-Logo kennzeichnen zu dürfen, entsprechen dem bekannten sechseckigen deutschen Bio-Siegel, das 2001 eingeführt wurde: Mindestens 95 Prozent des Produktes bzw. der Zutaten müssen aus dem ökologischen Landbau stammen.
Die Wissenschaftlerin erläuterte, dass Lebensmittel mit geschützter geografischer Herkunft (Nieheimer Käse, Westfälischer Knochenschinken) gekennzeichnet würden, wenn eine Interessengemeinschaft die Schutzwürdigkeit plausibel begründen könne. Dies machten sich aber auch reine Handelsmarken zu Nutze, die nur den Anschein eines Siegels erweckten. Manche Nahrungsmittel, so die Referentin, könne man vermutlich mit 15 Siegeln ausrüsten. Der Nutzen für die Verbraucher sei dann fraglich. Claudia Jonas: „Trotz der Vielzahl der Kennzeichnungen wird allein durch sie die Forderung nach Transparenz nicht mit letzter Deutlichkeit beantwortet.“
 

09.07.2014

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