Kirchen gegen Ladenöffnung in Nordrhein-Westfalen an Sonntagen während Fußball-Weltmeisterschaft

Gemeinsame Erklärung der Bischöfe und Präsides in Nordrhein-Westfalen zur Ladenöffnung in Nordrhein-Westfalen

Düsseldorf, 2. März 2006. Obwohl während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Nordrhein-Westfalen nur an einem einzigen Sonntag ein Fußballspiel stattfinden wird, sollen die Ladenöffnungszeiten in Nordrhein-Westfalen weitgehend freigegeben werden. So wird an allen Sonn- und Feiertagen, an denen Weltmeisterschaftsspiele in Deutschland stattfinden, landesweit von 14.00 bis 20.00 Uhr die Öffnung der Läden möglich sein.

Wir Bischöfe und Präsides bedauern ausdrücklich diese Entscheidung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Ob Nordrhein-Westfalen als ein weltoffenes und gastfreundliches Land erfahren wird, hängt mit Sicherheit nicht davon ab, dass an Sonn- und Feiertagen die Läden offen sind.

Die Menschen in unserem Land brauchen den Sonntag. In der zunehmenden Arbeitszeitflexibilisierung ist er als Regulativ unerlässlich. Seelisches Atemholen kann nicht in „persönlichen Zeitlöchern“ irgendwann im Laufe der Woche erfolgen. Die Menschen brauchen Gemeinschaft und gemeinsame soziale Zeit. Der Sonntag ist ein Tag, der Beziehungen ermöglicht - in Ehe und Familie, aber auch in Vereinen und in den vielfältigen gesellschaftlichen Gruppierungen. 

Aus der Perspektive der christlichen Botschaft unterstreicht der Sonntag den Vorrang Gottes und den Vorrang der Würde des Menschen gegenüber den Forderungen einer technisierten Gesellschaft und einer auf Gewinnmaximierung angelegten Wirtschaft. Der Mensch ist nicht nur ein Wesen, das arbeitet und konsumiert. Der Mensch ist auch zutiefst ein Wesen, das feiert und nach Lebenssinn sucht. Die Fußball-Weltmeisterschaft ist eine internationale sportliche Begegnung. Sie hat eher den Charakter einer Feier der Völkerverständigung und des fairen Wettkampfes als den des Konsums. Geöffnete Geschäfte an Sonn- und Feiertagen können dies allerdings in den Hintergrund treten lassen. Der verstorbene Altbundespräsident Johannes Rau betonte, dass „der Sonntag kein Tag des Konsums“ ist. Dem stimmen wir zu.

 Jede Ausnahmegenehmigung schwächt den Schutz des Sonntags. Die geplanten Regelungen gehen auch zu Lasten der Familien, die von zusätzlicher Arbeit am Sonntag betroffen sind. Dies widerspricht eindeutig der Hochschätzung der Familie, die in der politischen Diskussion eine zunehmende Bedeutung erhalten hat.

Von der nun anstehenden Neufassung des Ladenschlussgesetzes erwarten wir für Nordrhein-Westfalen eine überzeugende Aussage zum Sonntagsschutz.

Joachim Kardinal Meisner

Erzbischof von Köln

 

Hans-Josef Becker

Erzbischof von Paderborn

 

Dr. Felix Genn

Bischof von Essen

 

Dr. Reinhard Lettmann

Bischof von Münster

 

Dr. Heinrich Mussinghoff

Bischof von Aachen

Nikolaus Schneider

Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorf

 

Alfred Buß

Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Bielefeld

 

Dr. Martin Dutzmann

Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, Detmold

02.03.2006

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