Keine sichere Lösung

Vortrag über „Atommüll in NRW“ im Landeskirchenamt

Die Politikwissenschaftlerin Ursula Schönberger sprach im Landeskirchenamt vor etwa 50 Zuhörern über Atommüll in NRW.

Detmold. „Atommüll in NRW“ war das Thema eines Vortrags- und Diskussionsabends im Landeskirchenamt. Wo und was gelagert wird, erläuterte die Politikwissenschaftlerin Ursula Schönberger. Sie stellte auch fest, dass es für eine Atommülllagerung keine sichere Lösung gibt.

Die Lippische Landeskirche, das Klimaforum und die Stadt Detmold hatten für Dienstagabend in den Paulinensaal des Landeskirchenamtes eingeladen und rund 50 Besucher waren der Einladung gefolgt.
Im Zentrum des Abends stand ein Bericht der Atommüll-Konferenz, der sich auf rund 300 Seiten, „standortgenau“ mit der Atommülllagerung auseinandersetzt.
Ursula Schönberger ist die Autorin des Berichts, der sich auf die Arbeit zahlreicher Standortinitiativen stützt: „Ein Sorgenbericht. Es klemmt und kneift an allen Ecken“, so die Autorin. Obwohl es in NRW keine einzige in Betrieb befindliche Anlage mehr gebe, gebe es dennoch erhebliche Probleme mit dem Atommüll.
Ein Atomkraftwerk brauche für den Betrieb pro Jahr 33 Tonnen angereichertes Uran. Um die zu bekommen, landeten beim Abbau im Ausland 400.000 Tonnen Uranerz auf Halde, fielen 39.600 Tonnen Schlämme und 180 Tonnen Atommüll an. Mit Blick auf den Export von abgereichertem Uran, zum Beispiel nach Sibirien, meinte Schönberger: „Es stellt sich heraus, dass es die vielgepriesene nationale Verantwortung gar nicht gibt.“
Im Inland blieben dann noch einmal 187 Tonnen abgereichertes Uran übrig. Das werde immer noch als Wertstoff behandelt, obwohl es radioaktiv und hochgiftig sei und der Großteil nur gelagert werde, so die Referentin. Etliche Tonnen davon finde man in Zwischenlagern, beispielsweise in Jülich oder Gronau. Es gebe dafür kein Endlager. Schacht Konrad in Salzgitter solle zwar radioaktives Material aufnehmen – wenn denn irgendwann einmal die Genehmigung zum Betrieb vorliege – aber nur „gering wärmeentwickelnde“ Materialien und damit könne der Großteil des Atommülls dort gar nicht eingelagert werden, führte Schönberger aus.
„Es gibt nicht ein Atommüllproblem, das man in ferner Zukunft an einen einzelnen Standort delegieren kann, sondern tausende Atommüllprobleme im ganzen Land und unmittelbaren Handlungsbedarf“, lautete ihr Fazit.
Man brauche einen Prozess, der die Erfahrungen mit den bisher gescheiterten Projekten in den Mittelpunkt der Diskussion stelle. Daneben brauche man das Eingeständnis von Wirtschaft und Politik, dass es eine sichere Lösung für die Einlagerung über 1 Million Jahre nicht geben kann: „Ich habe auch kein Konzept. Aber sich ein Bergwerk suchen und es dann so lange schönrechnen, bis es als Endlager in Frage kommt, ist nicht der richtige Weg“, stellte sie fest, sondern man müsse man von einer genauen „stofflichen Bestandaufnahme“ ausgehen und dann viele verschiedene Lösungen für die einzelnen Stoffe finden.
 

20.02.2014

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