Menschen eine Stimme geben

Marktplatzgespräch: Diskussion über Kirche und Politik

Diskutierten über Kirche und Politik: Dennis Maelzer und Kornelia Schauf.

Detmold. Das Spannungsfeld zwischen Kirche und Politik stand im Mittelpunkt eines Podiumsgesprächs in Detmold. Unter der Überschrift „Wie politisch soll die Kirche sein?“ diskutierten die Teilnehmer auf Einladung der ev.-ref. Kirchengemeinde Detmold-Ost und der Lippischen Landeskirche über die Frage, ob und inwieweit sich Kirche in weltliche Dinge einmischen sollte.

Superintendent Dieter Bökemeier und Bildungsreferentin Monika Korbach moderierten das Gespräch, an dem auch Dr. Thomas Weckelmann (Düsseldorf), Beauftragter der drei NRW-Landeskirchen bei Landtag und Landesregierung, teilnahm. Kirche soll sich politisch einbringen, aber dabei ihren Verkündigungsauftrag stets im Blick behalten, so Weckelmann. Zwar sei es die Pflicht der Kirche, öffentlich für soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten. Doch wenn Kirche sich zu politischen Themen äußert, sollte sie dies „biblisch und theologisch fundiert“ tun. Kirche habe die Aufgabe, die Botschaft des Evangeliums auch in die Politik zu transportieren. Sie dürfe sich jedoch nicht von einer bestimmten Seite vereinnahmen lassen. Kirche sollte vor allem „Menschen eine Stimme geben“, die nicht selbst in der Lage seien, für ihre Interessen einzustehen.
Ähnlich äußerten sich auch die weiteren Diskussionsteilnehmer. Kirche dürfe politisch sein, aber keine Politik machen, sagte Michael Dahl von der Lippischen Landes-Zeitung. Sie sollte nicht als unfehlbare moralische Instanz auftreten, zitierte der Journalist die Politikerin und Theologin Katrin Göring-Eckardt.
Auch SPD-Politiker Dennis Maelzer, Mitglied im NRW-Landtag, hält es für wichtig, dass sich Kirche politisch, jedoch nicht parteipolitisch, einbringe. Gerade bei sozialen und familiären Themen könne sie Orientierung vermitteln.
Die evangelische Kirche habe die Pflicht sich einmischen, solange es nicht allen Menschen auf der Welt gut gehe, meinte Kornelia Schauf, Landespfarrerin für Ökumene und Mission: „Kirche muss so politisch wie nötig sein und auf den jeweiligen Kontext reagieren.“ Als Beispiele für wichtige Handlungsfelder nannte Schauf das Gesundheitssystem und die Folgen des demografischen Wandels. Es sei „skandalös“, wie in der heutigen Gesellschaft mit älteren Menschen umgegangen werde.
Musikalisch umrahmt wurde die Diskussion vom Saxophonquartett AbraxSax.
Das Podiumsgespräch war Teil einer Veranstaltungsreihe, mit der sich die Lippische Landeskirche am EKD-Themenjahr „Reformation und Politik“ beteiligt. Auf dem weiteren Programm stehen thematische Gottesdienste, Diskussionsrunden, Vorträge und Ausstellungen.
 

17.02.2014

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