Verlässliche Beziehungen

Hilfen für traumatisierte Menschen in der Elternrolle

Dr. Michael Hipp sprach auf dem Fachtag der Ev. Familienbildung über „Psychische Erkrankung und Erziehungskompetenz“

Kreis Lippe/Detmold. „Psychische Erkrankung und Erziehungskompetenz“ hieß das Thema einer Fortbildungsveranstaltung im Landeskirchenamt. Dr. Michael Hipp, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes Hilden, berichtete aus seiner täglichen Praxis.

Rund 100 Fachkräfte aus Familienzentren, Jugendämtern, Kindertagesstätten und anderen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe waren der Einladung der Evangelischen Familienbildung gefolgt.
Dass das Angebot auf so großes Interesse stieß und ein weiterer Fachtag am 27. September nachgeschoben werden muss, führte Katharina Hermeier von der Familienbildung auch auf die Zunahme psychischer Erkrankungen zurück. Soziale Isolation, Doppelbelastung und Burnout nannte sie als Stichworte: „Ich denke schon, dass die Situation für Familien in den letzten Jahren schwieriger geworden ist.“
Die Folgen dieser Erkrankungen sind oft Strategien zur Vermeidung engerer Bindungen oder anderer sozialer Kontakte, erklärt Dr. Michael Hipp. Ausweitung der persönlich empfundenen Gefahrenzonen bis hin zur Handlungsunfähigkeit (z.B.: Verstecken in der Wohnung, Nichtöffnen der Post) können die Folgen sein.
Traumatisierte, bindungsgestörte Menschen in der Elternrolle prägen ihre Kinder, so Hipp weiter. Die gestörte Interaktion zwischen Eltern und Kindern störe wiederum die Bindungsentwicklung des Kindes. Diesen Hintergrund müsse man als Erzieher oder Berater immer berücksichtigen. Hipp wies auch darauf hin, dass die Ursache von psychischen Erkrankungen der Eltern oft schon in deren Kindheit liegt: „So etwas fällt nicht vom Himmel“, merkte er an. Traumatisierte Menschen würden ihr Erleben weitergeben. „Das Drama wird auf unterschiedlichen Bühnen wieder aufgeführt“, so der Referent.
Er beschrieb an Beispielen die Auswirkungen unterschiedlicher Prägungen von Eltern, schilderte deren Vermeidungsstrategien wie Selbstverletzung, Gewalt, pathologische Internetnutzung oder Drogensucht.
Beratung müsse sich hier die Frage stellen: „Kann man die Betroffenen durch Hilfen ausreichend stabilisieren?“ Um Sicherheit und Interaktionsfähigkeit wiederherzustellen seien Therapien nicht hilfreich. „Dafür braucht man viel Zeit. Die haben wir nicht, an die Probleme muss man sofort ran“, erklärte Dr. Hipp. Die angewandten Methoden müssten darauf ausgerichtet sein.
Durch gute Kooperation der Hilfeeinrichtungen müsse man an vielen Punkten ansetzen. Dazu gehöre der Aufbau eines „sicheren äußeren Ortes“, das „Angebot verlässlicher, Vertrauen schaffender ‚heilender‘ Beziehungen“ oder die Förderung der „Mutter-Kind-Interaktion“ beispielsweise mit videogestützter Analyse.
 

11.02.2014

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