Musik im Religionsunterricht

Religionslehrer-Tagung im Lemgoer Gemeindezentrum St. Nicolai

Die Schülerband der Regenbogenschule (Förderschule in Dörentrup) begrüßte die Tagungsteilnehmer in der St. Nicolai-Kirche.

Kreis Lippe/Lemgo. In der Popmusik ist das Paradies in aller Munde. Religiöse Motive werden auf unterschiedlichste Art und Weise gedeutet. Eignet sich deshalb „Musik als Medium im Religionsunterricht“? Mit dieser Frage beschäftigte sich die landeskirchliche Religionsunterricht-Tagung im Lemgoer Kirchengemeindezentrum St. Nicolai.

Etwa 70 Religionslehrer aller Schulformen waren der Einladung von Landespfarrer Andreas Mattke, Schulreferent der Lippischen Landeskirche, gefolgt, um sich mit Möglichkeiten und Grenzen des Unterrichtsmediums Musik auseinanderzusetzen. Kirchenrat Tobias Treseler eröffnete die Tagung: Musik, klug eingesetzt im Religionsunterricht, sei sicherlich ein geeignetes Mittel, um mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen und ihren Horizont zu erweitern.
Pfarrer Andreas Mattke beschäftigte sich in seinem Impuls-Vortrag mit John Lennons Popklassiker „Imagine“. Dieser Song löse bei ihm immer zwiespältige Gefühle aus. Das Lied entwerfe zwar eine schöne Vision einer friedlichen Welt, doch diese Vorstellung könne laut Lennons Text nur ohne Himmel und ohne Religion Wirklichkeit werden. Damit tue er sich natürlich schwer, so Mattke. Andererseits sei der Song ein guter Ausgangspunkt, um mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen: „Wie sieht eine Welt ohne Religion aus? Wäre sie wirklich besser? Wäre eine Welt ohne Religion toleranter, vorurteilsfreier, verständiger und eben friedfertiger?“ In der Bibel und in der christlichen Überlieferung werde der Musik oft zugebilligt, dass der Glaube sich in ihr unmittelbar offenbare. Andreas Mattke: „Dass dieser Glaube an den Himmel uns Menschen gerade durch die Musik erreicht, durch Bewegung und Tanz, und dann Grenzen überschreiten lässt, davon erzählt die Bibel mit ganz vielen Geschichten.“
Zwei Vorträge lieferten die theoretischen Grundlagen, die von den Religionslehrern in Workshops vertieft wurden.
„Was Lied und Tanz erschließen können“, darüber sprach Siegfried Macht, Professor für Kirchenmusikpädagogik an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth: „Wenn es wahr ist, dass es im Religionsunterricht um Bewegendes geht – warum bewegen wir uns dann so wenig? Und wenn es stimmt, dass Unsagbares zu Gehör gebracht werden soll – warum singen wir so wenig?“
Harald Schroeter-Wittke, Professor für Evangelische Religionslehre an der Universität Paderborn, plädierte in seinem Vortrag „Himmel auf - Musik im Religionsunterricht“ dafür, bei der Beschäftigung mit Musik im Religionsunterricht nie das Alter der Kinder und Jugendlichen zu vergessen. Während Grundschulkinder noch recht offen für jede Art von Musik seien, verenge sich der Musikgeschmack älterer Schüler zusehends. Für Jugendliche sei „ihre“ Popmusik ein Mittel, sich von der Welt der Erwachsenen abzugrenzen. Es sei ein Irrtum zu meinen, die Sympathien der Heranwachsenden quasi handstreichartig allein dadurch erobern zu können, dass man ihre Musik zum Unterrichtsgegenstand erhebe. Erst ab der 11. Klasse öffneten sich die Jugendlichen wieder mehr.


 

03.12.2013

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