Kleine Wunder

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit besteht 25 Jahre

Gertrud Wagner mit der neusten Veröffentlichung aus der Reihe Panu Derech: „Lebenslängliche Reise –Briefe der jüdischen Familie Herzberg aus Detmold, 1939-1946“

Detmold. Konzerte, Lesungen, Erinnerungsprojekte und zukunftsweisende Partnerschaften: seit 25 Jahren engagiert sich die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe für ein Klima der Toleranz und Aufgeschlossenheit anderen Religionen und Kulturen gegenüber. Gertrud Wagner (77), ehemals Lehrerin am Stadtgymnasium in Detmold, ist von Anfang an dabei.

„Diese Gesellschaften gibt es in ganz Deutschland. Sie wurden 1947 von den Amerikanern eingeführt, als damals das ganze Ausmaß der Judenverfolgung in Deutschland bekannt wurde. 1988, 50 Jahre nach der Reichspogromnacht, haben wir dann die Gesellschaft in Detmold gegründet. In der ersten Zeit mit dabei waren zum Beispiel Wolfgang Müller, später Archivpädagoge am Staatsarchiv, der spätere Detmolder Bürgermeister Friedrich Brakemeier, Maik Fleck, heute Pfarrer in Detmold, mein Mann, Pfarrer Peter Wagner, Pastor Fuhr, Hans Abraham und ich. Das sind aber nur einige Namen.“

Warum engagieren Sie sich?

„Ende der 70er Jahre begleitete ich als Lehrerin am Stadtgymnasium eine Stufenfahrt nach Polen. Wir haben den Platz des ehemaligen Warschauer Ghettos gesehen mit dem Denkmal, das wir mit dem Kniefall von Willy Brandts verbinden. Das alles hat mich sehr berührt. Außerdem besuchten wir das KZ Stutthof bei Danzig. Daraus ist ein Projekt am Stadtgymnasium entstanden, in dem wir versucht haben, ehemalige jüdische Schülerinnen aufzuspüren, was zum Teil auch gelungen ist.“

Wie hat sich die Gesellschaft entwickelt?

„Es gab verschiedene Schwerpunkte. Anfangs lag der Fokus auf Bildungs- und Aufklärungsarbeit und vor allem auf der Begegnung mit den ehemaligen lippischen jüdischen Bürgern. Dann begann eine Phase der Reisen auf jüdischen Spuren, eine Zeit, in der viele wichtige Kontakte nach Israel entstanden sind. Heute pflegen wir neben Veranstaltungen zu christlicher und jüdischer Theologie, Stadtführungen auf jüdischen Spuren, Konzerten und Kontakten zwischen Israel und Lippe unsere Schriftenreihe Panu Derech, die jetzt 28 Bände umfasst. Die neueste Veröffentlichung ist von Gudrun Mitschke-Buchholz „Lebenslängliche Reise –Briefe der jüdischen Familie Herzberg aus Detmold, 1939-1946“.

Wo sehen Sie zukünftige Schwerpunkte?

„Einerseits in der Arbeit in den Schulen. Wir finden es ganz wunderbar, was sich aus den Gedenkveranstaltungen zum 27. Januar, die Peter Wagner damals initiiert hat, in Detmold entwickelt hat. Jedes Jahr trägt eine der weiterführenden Detmolder Schulen die Hauptveranstaltung. Es ist beeindruckend zu sehen, was dort auf die Beine gestellt wird. Andererseits sehe ich einen Schwerpunkt in Schulaustausch-Projekten und solch aktuellen Projekten wie der Pflege des jüdischen Friedhofs in Biržai in Litauen. Wir stellen fest, dass sich heute viele Menschen lieber in Projekten als längerfristig in Vereinen engagieren. Und das klappt. Es ist ein kleines Wunder, was aus diesem Friedhofsprojekt an Partnerschaften und Kontakten erwachsen ist.“


 

02.12.2013

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