Fukushima und die Folgen

Vortrag über die „menschengemachte Katastrophe“

Berichtete über Fukushima und die Folgen: Referent Kazuhiko Kobayashi aus Tokio.

Detmold. Über Fukushima und die Folgen berichtete Kazuhiko Kobayashi, bekannter japanischer Atomkraft-Kritiker aus Tokio, im Paulinensaal des Landeskirchenamtes. Klima Forum Detmold, Team Umwelt und Freiraum der Stadt Detmold, Anti-Atom-OWL und Lippischer Landeskirche war es gelungen, den engagierten Aktivisten nach Detmold zu holen.

Zwei Millionen Menschen leben in der Präfektur Fukushima. Darunter rund 300.000 Kinder und die sind einer viel zu hohen Strahlendosis ausgesetzt, die in spätestens zwei bis drei Jahren zu einem eklatanten Anstieg der Krebsrate führen wird. Das ist eine der Schlussfolgerungen, die Kobayashi aufgrund seiner eigenen Untersuchungen und Messungen im Katastrophengebiet Fukushima zieht. Rund 90 Zuhörer folgten dem Referenten in seinem Vortrag, der engagiert berichtete und das Profitstreben der Energiekonzerne und eine „Atompolitik, die über Leichen geht“ brandmarkte.
„Der japanische Premierminister lässt Bürger und kleine Kinder im Stich. Das ist für mich das größte Verbrechen“, stellte der Referent fest. Die Kinder würden als Versuchskaninchen und als Propagandainstrument missbraucht. Diese These dokumentierte er mit Fotos, auf denen Kinder beispielsweise beim Reinigen von Postkästen als Symbol für eine intakte, ungefährliche Umwelt zu sehen sind. Er berichtete von inzwischen mehr als 1000 von der Regierung installierten Messstellen, in deren Umgebung immer peinlich genau sauber gemacht werde und die gegenüber seinen Vergleichsmessungen stets nur die halbe tatsächliche Belastung anzeigten. „Das haben natürlich andere Bürger auch schon festgestellt“, sagte er. Die Regierung gebe eine Manipulation der Geräte nicht zu. Sie verweise beispielsweise auch immer wieder auf internationale Atomenergieorganisationen wie die IAEO, die die angeblich ungefährliche Strahlenmenge nach dem Fukushima-Unfall um das 20-fache von 1 Millisievert auf 20 Millisievert erhöht habe.
Damit sei ein jahrelang anerkannter Höchstwert mal eben gekippt worden. Eigentlich müssten 2 Millionen Japaner evakuiert werden, das geschehe aber nicht, weil das die Regierung und die Betreiberfirma Tepco ruinieren würde. Ein Kartell aus Regierung, Industrie und Ärzten halte den Anschein aufrecht, dass die Folgen der Katastrophe unter Kontrolle seien. „Die Bürger werden eindeutig belogen“, so Kobayashi. Die japanische Bewerbung für die Olympischen Spiele in 2020 gehöre zu dieser „Vertuschen-Verheimlichen-Betrügen“ – Strategie.
Die japanische Mentalität, „kritiklos den Älteren und Höherstehenden zu folgen“, die ihren Ursprung in einer Periode vor 200 Jahren habe, werde bis heute ausgenutzt, so der Referent. Er stellte fest, dass die Katastrophe von Fukushima keineswegs eine Natur- sondern eine menschengemachte Katastrophe sei. In der Überzeugung, dass Atomkraft grundsätzlich nicht beherrschbar sei, lag Kazuhiko Kobayashi mit den Veranstaltern auf einer Linie.
 

18.11.2013

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