„Merci, wir danken dir“

Gottesdienst zum Weltgebetstag in Lipperreihe gefeiert

Im Rollenspiel veranschaulichten die Frauen, dass Jesus den Menschen im Schwachen, im Hungrigen, im Durstigen, im Heimatlosen und im Gefangenen begegnet.

Kreis Lippe/Oerlinghausen-Lipperreihe. Der ökumenische Weltgebetstag am ersten Freitag im März stellte mit Frankreich ein Land in den Mittelpunkt, das seit Jahrzehnten Ziel von Einwanderern und Flüchtlingen ist. Das Leitwort des Weltgebetstags, „Ich war fremd - ihr habt mich aufgenommen“, führte am Freitag in der ev.-ref. Kirche Lipperreihe viele Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen zu einem gemeinsamen Gottesdienst zusammen.

Die Frauen des von Anne Knapp geleiteten Frauenkreises Lipperreihe/ Oerlinghausen-Südstadt und Kirchenvorstandsmitglied Heidrun Fillies gestalteten den Gottesdienst, der sich inhaltlich mit der Frage auseinandersetzte, wie jede und jeder einzelne zu einer Kultur des Willkommens beitragen kann. Wie schätzt eine Aufnahmegesellschaft das, was Menschen aus einem anderen Land und einer anderen Kultur mitbringen?
Anhand von Zitaten, die das französische Weltgebetstag-Komitee für den Gottesdienst vorgeschlagen hatte, beleuchteten die Frauen des Vorbereitungskreises schlaglichtartig die Lebenssituation von Einwanderinnen. Da war zum Beispiel die Rede von der aus Brasilien stammenden Vera. Sie arbeitet als Putzfrau in Frankreich und verdient so ihren Lebensunterhalt. Vera spreche die Sprache ihres neuen Heimatlandes, ihr Freundeskreis bestehe aus Franzosen und sie fühle sich völlig integriert. Oder das Beispiel der aus Ruanda geflüchteten Marie-Leone. Auf der Flucht vor dem Krieg zwischen Tutsi und Hutu fand sie Zuflucht in Frankreich. Ihr wurde Asyl gewährt, sie durfte studieren und fand danach Arbeit.
In einem kleinen Rollenspiel veranschaulichten die Mitglieder des Frauenkreises die Tragweite des Mottos „Ich war fremd - ihr habt mich aufgenommen“, das sich als Bibelwort im Matthäus-Evangelium (Kapitel 25, Vers 35) findet. Die Botschaft des Evangeliums sei klar und deutlich: Jesus begegne den Menschen im Schwachen, im Hungrigen, im Durstigen, im Heimatlosen, im Gefangenen. Wer die Begegnung mit den schwachen und heimatlos gewordenen Menschen verweigere, der verweigere sich der Botschaft des Evangeliums. Die Bibel kenne viele Geschichten von Flucht und Asyl. In der Bibel sei Migration etwas Normales und nicht die Ausnahme.
In Vertretung der erkrankten Gemeindepfarrerin Susanne Tono, aber in Anlehnung an die vorgesehene Predigt, erinnerte Heidrun Fillies daran, dass wohl jede und jeder die bedrückende Erfahrung kenne, sich fremd zu fühlen. Und wie beglückend dann das Erlebnis sei, Sicherheit und Frieden zu erfahren. Fremde aufzunehmen und sie zu akzeptieren, sei für die „Einheimischen“ nicht ausschließlich „Opfer“ oder Verzicht, sondern mehr noch ein Gewinn. Eine Bereicherung des eigenen Lebens, wie es im von Annette Wolf am Klavier begleiteten Gottesdienst-Abschlusslied zum Ausdruck kam: „Merci, wir danken dir; du veränderst uns“.
 

05.03.2013

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