Kirche in NS-Zeit

Studierende bringen neues Projekt auf die Bühne

Die Studierenden bei der Generalprobe im „Kaschlupp!“, der Kinder- und Jugendbühne des Landestheaters.

Detmold. Mit der Rolle der evangelischen Kirche in der NS-Zeit setzt sich ein Projekt der Lippischen Landeskirche auseinander. Schulreferent Andreas Mattke sowie die beiden Hochschuldozenten Dr. Oliver Arnhold und Professor Dr. Harald Schroeter-Wittke haben gemeinsam mit Studierenden aus Bielefeld und Paderborn eine szenische Lesung erarbeitet, die die damalige Spaltung in „Bekennende Kirche“ und „Deutsche Christen“ beleuchtet. Premiere wurde am vergangenen Sonntag (13.1.) im Rahmen der Einführungsmatinee des Detmolder Landestheaters zum Stück „Die Weiße Rose“ gefeiert.

Die rund 15-minütige Lesung entführt die Zuschauer in eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. Dabei stellt sie die beiden gegensätzlichen theologischen Positionen der Protestanten aus dieser Zeit gegenüber. Auf der einen Seite stand die „Bekennende Kirche“, die sich kritisch mit dem politischen System auseinandersetzte. Auf der anderen Seite gab es die „Deutschen Christen“, die versuchten sich durch Anpassung mit den nationalsozialistischen Machthabern zu arrangieren. So wurde auf der Grundlage einer Entschließung von elf evangelischen Landeskirchen 1939 in Eisenach das „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ gegründet. „Die dort tätigen Theologen wollten den für uns heute abwegigen Nachweis führen, dass Jesus gar kein Jude gewesen sei, um Kirche und Theologie dem Nationalsozialismus anzupassen“, erklärt Dr. Oliver Arnhold. „Sie haben das Neue Testament überarbeitet und alle jüdischen Bezüge herausgenommen sowie ein „entjudetes“ Gesangbuch und einen antijüdischen Katechismus verfasst“.
Bei dem Theaterprojekt sind etwa zehn angehende Religionslehrer auf der Bühne zu erleben. Durch die intensive Beschäftigung mit den Texten hätten die Studierenden einen besseren Zugang zu der komplexen Thematik bekommen, erklärt Andreas Mattke. Zudem sei es im Hinblick auf künftige Unterrichtstätigkeiten eine gute Sprechübung: „Das Projekt verlangt den Beteiligten einiges ab. Doch die Studierenden haben die anspruchsvollen Texte überzeugend mit Leben gefüllt.“
Bei ihrem Vorhaben wurde die Gruppe unter anderem von dem Theaterpädagogen Matthias Brandt und der Rhetorik-Trainerin Verena Arnhold unterstützt.
Die szenische Lesung soll im Mai 2013 auf dem Evangelischen Kirchentag in Hamburg aufgeführt werden. Am Sonntag, 3. Februar, ist eine Vorstellung im „Vis-à-vis“-Gottesdienst in der Erlöserkirche am Markt geplant.
 

16.01.2013

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