„Sie waren alle unschuldig“

Der Theologe Friedrich von Spee in Blomberg gewürdigt

Ausstellung im Martiniturm mit Bildern und Texten zu Friedrich Spee von Langenfeld

Kreis Lippe/Blomberg. Im Rahmen der Reihe „Unzerstörbare Menschenwürde“, die sich mit der Hexenverfolgung in Lippe auseinandersetzt, erklangen am Wochenende in der Blomberger Klosterkirche Lieder, die der Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld Anfang des 17 Jahrhunderts geschrieben hat. Zwölf seiner mehr als 200 Lieder wurden vom Ökumenischen Chor Blomberg gesungen, begleitet von Annette Wolf an der Orgel.

Friedrich von Spees Einfluss auf den Gemeindegesang in den katholischen Gemeinden Deutschlands war nicht geringer als der von Martin Luther oder Paul Gerhardt auf evangelischer Seite. Der Bogen der Lieder umfasste das ganze Kirchenjahr und reichte von der Bitte „O Heiland, reiß die Himmel auf“ bis zum strahlend jubelnden Halleluja im Lied „Lasst uns erfreuen herzlich sehr.“
Hans Günter Voß, Pfarrer im Pastoralverbund Lippe Süd, ließ in den Gesangspausen in verbindenden Worten den Liederdichter und Theologen hervortreten: Friedrich von Spee, Beichtvater vieler Frauen, die wegen der Anschuldigung der Hexerei gefoltert und hingerichtet wurden. Er war sich sicher: „Sie waren alle unschuldig.“
Nicht nur in einigen seiner Lieder klingen diese schrecklichen Erfahrungen und sein Ringen um den Glauben durch. In seinem Buch „Cautio Criminalis“ wandte er sich nachdrücklich gegen die Folter und die Hinrichtung der Angeklagten und half so, den Wahn der Hexenverfolgung zu brechen.
Im Vorfeld des Konzertabends ist im Blomberger Martiniturm eine von Pfarrer Hans Günter Voß konzipierte und gemeinsam mit Klaus Schmidt erstellte Ausstellung mit Bildern und Texten zu Friedrich Spee von Langenfeld eröffnet worden. Sie zeigt auf vielfältige Weise, wie bei Friedrich Spee von Langenfeld eine tiefe Frömmigkeit und sein entschiedenes Engagement gegen die Hexenverfolgung mit seinem ganzen Leben zusammenpassen. Als Anwalt der Gefolterten bleibt seine Stimme auch heute noch Mahnung, die menschliche Würde eines jeden Beschuldigten zu achten.
Am 2. November wird Pfarrerin Bettina Hanke-Postma in der Reihe „Unzerstörbare Menschenwürde“ um 19.30 Uhr im Gemeindehaus in Reelkirchen über Hexenverfolgungen im lippischen Südosten berichten und einen reformierten Theologen des 17. Jahrhunderts vorstellen, der sich deutlich dagegen ausgesprochen hatte.
Weitere Informationen: Gemeindebüro der ev.-ref. Kirchengemeinde Blomberg, Tel.: 05235/7443.


 

11.09.2012

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