Das Elend ist unvorstellbar

Landessuperintendent i.R. Gerrit Noltensmeier berichtete aus dem Sudan

Dr. Ricarda Dill, Leiterin der Rechtsabteilung im Lippischen Landeskirchenamt (links) und Dr. Gesine von Kloeden-Freudenberg, Landespfarrerin für Ökumene, konnten den ehemaligen Landessuperintendenten der Lippischen Landeskirche, Gerrit Noltensmeier, zu einem Vortrag über die aktuelle Situation im Sudan begrüßen.

Kreis Lippe/Detmold. „Das Elend der Menschen ist unvorstellbar, dort wieder herauszukommen scheint unmöglich und man fragt sich, wovon die Menschen dort leben.“ Eindrücke aus Flüchtlingslagern im Sudan, die Landessuperintendent i.R. Gerrit Noltensmeier von einer Delegationsreise des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mitgebracht hat. Auf Einladung des Lippischen Landeskirchenamtes berichtete er über das, was er im vergangenen November im Sudan gesehen und erlebt hat.

Noltensmeier war in einer Delegation mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Bischof Wolfgang Huber in dem Staat in Nordostafrika unterwegs, in dem im vergangenen Jahr ein 21-jähriger Bürgerkrieg zwischen dem mehrheitlich islamischen Norden und dem vorwiegend christlichen Südsudan mit einem Friedensabkommen beendet worden ist. Insgesamt kostete dieser Bürgerkrieg rund zwei Millionen Menschen das Leben, sechs Millionen Menschen sind auf der Flucht. Die Vertreter der EKD waren mit dem Ziel in den Sudan gereist, die Kirchen des Landes bei ihrem Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit nach dem Bürgerkrieg zu unterstützen. Noltensmeier zitierte zu Beginn seines Vortrags aus Psalm 68: „Das Land Kusch wird seine Hände ausstrecken zu Gott.“ Daran habe sich bis heute nichts geändert. Insgesamt 30 Begegnungen hätten den Eindruck verfestigt, dass es für den Sudan „zur Hoffnung keine Alternative“ gäbe. Die Probleme der Welt in einem einzigen Begründungszusammenhang sehen zu wollen, vergehe einem im Sudan völlig. Zu vielschichtig seien hier die Ursachen: Wirtschaftliches, Kulturelles und Geschichtliches böte einen Boden für ewig schwärende Konflikte, um deren Beilegung sich so viele Seiten und Gruppen im eigenen Land bemühten, dass der große Überblick zwangsläufig ausbleibe. Hilfe von Außen sei nötig, aber nur sehr behutsam und ohne Eigeninteressen. Als Deutsche seien sie im Sudan sehr geschätzt worden. „Man hält uns für integre Helfer, da man uns weder in kolonialen Verstrickungen sieht, noch gekoppelt an wirtschaftliche Interessen. Auch die Muslime schätzen die christlichen Helfer.“

Erlebnisse in Flüchtlingslagern haben die Reiseteilnehmer sehr bewegt. Beeindruckend sei der selbstlose Einsatz von Hebammen, die ohne Lohn arbeiteten, weil Spendengelder gestoppt worden seien: „Diese Frauen handeln aus christlicher Überzeugung, die Krankenstation ist ein gelebter Auftrag der christlichen Kirchen.“ Im Anschluss stand Noltensmeier den Zuhörern für Fragen zur Verfügung. Als erstes kam die Frage, wie die EKD politisch Einfluss nehmen könne. Noltensmeier verwies auf eine Sudanbeauftragte der Bundesregierung. Man wolle in Zusammenarbeit mit der Politik Kräfte und Hilfe bündeln. Die Pläne dazu seien in Vorbereitung.

27.01.2006

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