Toleranz lernen

Schüler aus Litauen zu Gast in Lippe

In Eben-Ezer (Lemgo) besuchten die Jugendlichen aus Litauen in Begleitung von Pfarrer Miroslav Danys unter anderem den Meierhof der Stiftung.

Kreis Lippe. Es ist ein einmaliges Projekt, das in Litauen mit großem Interesse der Öffentlichkeit begleitet wird: Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums in Biržai pflegen seit einem Jahr gemeinsam mit Menschen aus Lippe den jüdischen Friedhof der Stadt. Daraus ist ein lebendiger Austausch entstanden, in dem das Thema Toleranz im Mittelpunkt steht. 25 Schüler und Lehrer des Gymnasiums haben nun Deutschland kennengelernt– auf Einladung der Lippischen Landeskirche.

Mitglieder der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Lippe und der Lippischen Landeskirche haben im Sommer 2011 erstmals begonnen, gemeinsam mit den Schülern den großen jüdischen Friedhof in Biržai von Wildwuchs zu befreien.
Am 8. August 1941 waren in Biržai 2400 Juden, unter ihnen 900 Kinder, in einem nahen Wald erschossen worden. Damit fand die Jahrhunderte alte jüdische Geschichte in Biržai, wie überall in Litauen, ein schreckliches Ende. Heute lebt diese Geschichte mit dem Einsatz der Jugendlichen wieder auf, nun gibt es auch jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung in Biržai.
Toleranz ist das Thema für Gegenwart und Zukunft, das aus der gemeinsamen Aktion zur jüdischen Geschichte erwachsen ist. „Ich bin überzeugt, dass wir ohne gegenseitige Toleranz keinen Frieden haben“, sagte Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann, als er die Gruppe im Landeskirchenamt empfing, die von Pfarrer Miroslav Danys (landeskirchlicher Osteuropabeauftragter), Gertrud Wagner (Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit) und Thomas Krügler (Marianne-Weber-Gymnasium Lemgo) begleitet wurde. Die Lippische Landeskirche habe Partnerschaften zu Kirchen in aller Welt, unter anderem zur reformierten Kirche in Litauen, „nicht zuletzt deshalb, um Toleranz zu üben“, so Dutzmann.
Die Schüler in Litauen pflegen nicht nur den Friedhof, sie besuchen auch Menschen im Altenheim und helfen bei Umweltprojekten wie Neuanpflanzungen oder Säuberungsaktionen im Wald. Eine beeindruckende Foto-Dokumentation ihrer Tätigkeiten zum Thema Toleranz brachten sie als Gastgeschenk ins Landeskirchenamt mit.
Auch bei ihrem einwöchigen Deutschlandaufenthalt stand Toleranz im Mittelpunkt. So haben sie unter anderem eine Synagoge in Köln besucht und in Lemgo in der Stiftung Eben-Ezer die Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung kennengelernt. Im August werden sich nun zehn Schülerinnen und Schüler des Marianne-Weber-Gymnasiums in Lemgo zusammen mit 15 Erwachsenen auf den Weg nach Litauen machen, um dort ebenfalls eine Woche zu verbringen. Dann wird auch gemeinschaftlich wieder auf dem jüdischen Friedhof gearbeitet.


 

23.07.2012

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