Was darf unser Essen kosten?

Evangelischer Bauerntag informiert rund um das Thema Nahrung

Freuten sich über viele Gäste beim Ev. Bauerntag: Pfarrer Michael Stadermann, Adolf Meier zu Döldissen (Vorsitzender der Kammer für den Ländlichen Raum), Prof. Dr. Marcus Mergenthaler (FH Südwestfalen), Inge Meier (Landfrauen Extertal), Dr. Alexander Gerber (BÖLW), Friedrich Kehmeier (Landwirtschaftlicher Verein Extertal), Pfarrer Dirk Hauptmeier (Beauftragter der Lippischen Landeskirche für den Ländlichen Raum).

Kreis-Lippe/Extertal-Silixen. Der Evangelische Bauerntag der Lippischen Landeskirche drehte sich am Sonntag, 3. Juni, um die Frage „Was darf unser Essen kosten?“ Er fand in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Silixen statt.

Bereits im Gottesdienst zum Auftakt des Nachmittags ging Pfarrer Michael Stadermann anhand des Bibeltextes über die siebenjährige Hungersnot in Ägypten auf das Thema Nahrung ein. „Planen, um für die Durststrecken des Lebens gerüstet zu sein“, war sein Gedanke dazu.
Gut geplant hatte auch der Landfrauenverband Extertal, der mit Kaffee und reichlich Torten für das leibliche Wohl im Gemeindehaus sorgte.
Im dritten Teil der Veranstaltung gab es zwei Impulsreferate mit anschließender Aussprache.
Prof. Dr. Marcus Mergenthaler von der Fachhochschule Südwestfalen in Soest sah die Landwirte in einer Tretmühle, in der sie mehr und besser produziert hätten, aber die Preise dennoch immer weiter zurückgegangen seien. Aber: „Seit 2001 gibt es einen Trend nach oben“, stellte er fest. „Preise sind Ausdruck der Rahmenbedingungen. Die Arbeit von Landwirten wird tendenziell besser bewertet“, lautete sein Fazit aus der skizzierten Entwicklung. „Wir müssen die Produktion steigern über die Erhöhung der Produktivität“, lautete sein Lehrsatz.
Dem setzte Dr. Alexander Gerber, Geschäftsführer des Bundes Ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) eine „nachhaltige, intelligente Produktionssteigerung“ durch eine „Weiterentwicklung des Ökolandbaus“ entgegen. Gentechnologie, chemischer Pflanzenschutz oder mehr Dünger hätten dazu geführt, dass die Schäden an Klima, Artenvielfalt und Stickstoffkreislauf wesentlich von der Landwirtschaft mit verursacht würden, die Schonung der Ressourcen müsse in den Vordergrund gerückt werden, stellte er fest.
Das, was der Verbraucher beim Kauf billiger Lebensmittel einspare, müsse er auf der anderen Seite für die Reparatur der Umweltschäden wieder ausgeben, so Gerber. Wenn man diese Kosten in die Lebensmittel einrechne, komme man auf den höheren Preis, der für biologisch erzeugte Lebensmittel bezahlt werden müsse.
Seinem Satz: „Die Landwirtschaft ist das wirtschaftliche Rückgrat des ländlichen Raumes – weil sich sonst drum herum nichts entfaltet“, konnten sich alle Diskussionsteilnehmer anschließen. Seiner Forderung nach mehr Ökolandbau wurde aber entgegengehalten, dass die Landwirtschaft sich dem Wettbewerb stellen müsse.
„Wir müssen alle bereit sein, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben“, meinte dazu Günter Puzberg vom Vorstand des Vereins „Lippequalität“.
Pfarrer Dirk Hauptmeier, Beauftragter der Lippischen Landeskirche für den ländlichen Raum, gab den Gästen stilgerecht nicht nur Worte, sondern auch besondere Brote mit auf den Weg. Brote mit dunkler und heller Seite, die auf die „hellen und dunklen Seiten der aktuellen Herausforderungen“ hinweisen. Pfarrer Hauptmeier: „Der Kauf eines solchen Brotes beim örtlichen Bäcker unterstützt auch die Aktion „Brot für die Welt“. Das ist ein praktischer Beitrag. Das ist besser als allgemeine Appelle.“
 

06.06.2012

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