Von Gregorianik bis Gospel

Annette Wolf erläuterte Frauenkreisen „Die Geschichte des Kirchenlieds“

Brigitte Fenner, Brigitte Handschack, Bruni Michler und Marlis Steffestun (von links) waren als Sängerinnen gefordert.

Kreis Lippe/Lemgo. Einen „Streifzug durch die Geschichte des Kirchenlieds“ unternahm Annette Wolf in ihrem Vortrag während des Frühjahrstreffens der evangelischen Frauenkreise im Kirchlichen Zentrum Eben-Ezer in Lemgo am Mittwoch, 23. Mai. Mit Liedern und Orgelspiel verdeutlichte sie ihren rund 120 Zuhörerinnen den Wandel des Gemeindegesangs seit der Reformation.

Erstmals mit Martin Luther seien theologische Erkenntnisse umgesetzt worden in Choräle, die alle Menschen singen konnten. In den ersten 1.500 Jahren der christlichen Kirche habe die Gemeinde nicht gesungen. Der Liedvortrag während des Gottesdienstes als wesentlicher Bestandteil der liturgischen Handlung sei in vorreformatorischer Zeit ein Privileg der Pfarrer, Mönche oder besonders ausgebildeter Sänger gewesen. Diese hätten die im spätantiken Rom entstandenen Gregorianischen Choräle ausschließlich in lateinischer Sprache gesungen.
In Deutschland habe Luther den volkssprachlichen Gemeindegesang gefordert und gefördert. Annette Wolf: „Seine Lieder und Choräle waren eine Kurzausbildung im evangelischen Glauben.“ Luthers Lieder hätten entscheidend zur Verbreitung der Ideen der Reformation beigetragen.
Im Jahr 1562 habe Johannes Calvin in der Schweiz alle 150 Psalmen in Liedern heraus gegeben, den sogenannten „Genfer Psalter“. Binnen weniger Jahre seien Übersetzungen aus dem Französischen in viele andere Sprachen entstanden, 1573 ins Deutsche. Bestimmte musikalische Regeln und Richtlinien der Melodieführung seien charakteristisch gewesen für alle Tonfolgen und Chorsätze des Psalters, um auch großen Menschenansammlungen das einfache Mitsingen zu ermöglichen.
Im 17. Jahrhundert trat Paul Gerhardt als Kirchenlieddichter hervor, er war der bedeutendste Vertreter des „Ich-Liedes“, so Wolf weiter.
Jede Epoche – ob Pietismus, Aufklärung oder Romantik – habe die ihrer Zeit entsprechenden Kirchenlieder erschaffen. Die ansprechendsten fänden sich im aktuellen Evangelischen Gesangbuch (EG), das im Bereich der Lippischen Landeskirche 1996 eingeführt wurde. Auch das EG spiegele seine Zeit bzw. die Gegenwart wider. Lieder im Stil der Popularmusik („Neues Geistliches Lied“) seien ebenso aufgenommen worden wie Taizé-Gesänge, Gospels und Beiträge aus außereuropäischen Musiktraditionen.
Barbara Mattke vom Leitungsteam der Frauenkreise, Bildungsreferentin Monika Korbach und Brigitte Fenner, Pfarrerin für Frauenarbeit, dankten der Referentin im Namen der begeistert applaudierenden Frauen für den ebenso anspruchsvollen wie kurzweiligen Vortrag. So vielfältig das Thema „Geschichte des Kirchenlieds“ war, so vielfältig waren die angebotenen „Mitmachaktionen“. Die Zeit des Treffens verging wie im Flug.
 

25.05.2012

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